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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe IIT. Chemische Industrie. 
hole mit Salpetersäure, zum Theil unter Zusatz von desoxy dir enden 
Mitteln wie Kupfer oder Stärke, gewonnen und hauptsächlich wohl zu 
medicinischen Zwecken verwendet. Das Methylnitrat war eine Zeit 
lang zur Darstellung des Methylgrüns in Gebrauch, ist jedoch wegen 
seiner stark explosiven Eigenschaften ziemlich wieder verlassen worden. 
Endlich gehören hierher noch das äthylschwefelsaure Kalium und Na 
trium, welche, wie die Nitrite, wohl hauptsächlich nur therapeutisch 
in Anwendung kommen. Ihre Bereitung wird auch im Grossen auf 
die bekannte Weise durch Sättigen der Aetherschwefelsäure mit kohlen 
saurem Kalk und Zersetzen des Kalksalzes mit dem entsprechenden 
Carbonat oder Sulfat vorgenommen. 
Die übrigen, äusserst zahlreichen Derivate der Alkohole, einschliess 
lich der Abkömmlinge der aromatischen Kohlenwasserstoffe, dienen nur 
wissenschaftlichen Zwecken. Die Eingangs genannte Fabrik, welche 
auf der Ausstellung durch eine Collection einiger der interessantesten 
dieser Körper vertreten war, stellt eine grosse Anzahl derselben lau 
fend dar. Der Verbrauch dieser Präparate in den vielen wissenschaft 
lichen Instituten der Jetztzeit ist ein ziemlich bedeutender geworden 
und wird in den nächsten Decennien voraussichtlich noch zunehmen, 
da es bei der schnellen Aufeinanderfolge der Publicationen und dem 
rastlosen Fleisse der Forscher von Belang ist, die Ausgangskörper zu 
neuen Arbeiten sich möglichst bald zu verschaffen und nicht mehr sel 
ber auf die mühsame und zeitraubende Darstellung derselben angewie 
sen zu sein. Das moderne Princip der Arbeitstheilung überlässt dem 
Fabrikanten die Herstellung der bereits erforschten Verbindungen und 
weist den Theoretiker immer mehr ausschliesslich auf das weitere Vor 
dringen in unbekannte Gebiete hin. Da nun gerade die Alkohole neben 
den aromatischen Kohlenwasserstoffen daB ausgiebigste Material zur 
Erlangung der meisten in den Laboratorien erforderlichen Verbindun 
gen liefern, so lässt sich kaum eine bessere Combination denken, als 
wenn die Erzeugung dieser feineren chemischen Präparate zugleich mit 
der in diesem Aufsatz geschilderten Fabrikation verbunden ist, nicht 
nur, weil auf diese Weise die in der Grossindustrie nur spärlich be 
nutzten Nebenproducte der Spiritusfabrikation möglichst verwerthet 
werden, sondern auch besonders desshalb, weil man ein so reichhaltiges 
Ausgangsmaterial zur Verfügung hat, wie es sich sonst selten beschaf 
fen lässt. Noch mehr aber fällt ins Gewicht, dass die Trennung dieser 
meist in complicirten Gemischen vorkommenden Körper im Laborato 
rium mit solcher Vollkommenheit unmöglich auszuführen ist, denn nur 
beim Arbeiten mit sehr grossen Mengen kann eine Scheidung auf me 
chanischem Wege genügend reine Körper hervorbringen. Man geht 
wohl kaum zu weit, wenn man behauptet, dass eine einmalige Destil 
lation mit einer zweckmässigen Colonne mehr leistet, als ein zwanzig 
mal wiederholtes Fractioniren.
	        
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