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Die Bereitung des Weines.
niss von 170 Hl ist nicht selten, und stimmt mit den Angaben von
Columella (8 Culei auf das Joch = 160 Hl auf den Hectar) überein.
Also lässt sich in Beziehung auf die Menge weder Fortschritt noch
Rückschritt nachweisen.
Ueber den Geschmack der Weine des Alterthums haben wir selbst
verständlich keine genauen Anhaltspunkte.
Wenn indess Homer den Wein seiner Zeit ein göttliches Getränk
genannt, Archestratus den Saft der Trauben wegen dessen herrlichen
Duftes gepriesen und Hermippus von dem saprischen Weine sagt, er
fülle beim Oeffnen des Kruges das Haus mit dem Wohlgeruche des Nec-
tars und der Ambrosia, der Veilchen, Hyacinthen und Rosen, so können
wir bei aller Vorzüglichkeit unserer jetzigen Weine doch keinen Fort
schritt in der Weise feststellen, dass es uns jetzt gelänge , ein besseres
Getränk zu erzeugen, als solches vor Tausenden von Jahren darge
stellt wurde.
Bei der Weltausstellung in Wien wurden bekanntlich Fortschritts
und Verdienstmedaillen ertheilt. Die Preisrichter haben nun fast ein
stimmig beschlossen, dass, wenn, wie im Statut bestimmt war, bei Er-
theilung der ersteren ein Fortschritt nachweisbar sein soll, für Weine
Fortschrittsmedaillen nicht ertheilt werden können, weil bei der Prü
fung der Weine ein solcher Fortschritt nicht nachgewiesen werden kann.
Erst nachdem die Fortschrittsmedaille als erste und die Verdienstmedaille
als zweite Auszeichnung ohne Rücksicht auf den Fortschritt erklärt
wurden, waren die Preisrichter bereit, beide Medaillen zu ertheilen.
Auch dies beweist, dass es unmöglich ist, an einem gegebenen Wein
den Fortschritt gegen früher nachzuweisen.
Unter sehr günstigen Boden- und Witterungsverhältnissen erhält
man sehr gute Trauben fast uneraehtet jeder Misshandlung des Reb
stocks. Die Darstellung des Weines aus Traubensaft ist so ausseror
dentlich einfach, dass unter günstigen Verhältnissen fast ohne jede Kennt-
niss aus dem Saft guter Trauben auch ein guter Wein erhalten werden
kann. So erklärt sich denn auch, dass man schon vor Tausenden von
Jahren vorzüglichen Wein erhielt und dass man noch heute bei Wein
producenten, die im Bau der Reben und bei der Behandlung des Wei
nes in allerursprünglichster Weise verfahren, doch guten Wein fin
den kann.
Die grossen Erträge und die vorzüglichen Eigenschaften des Pro-
ductes sind aber von dem Zusammenwirken günstiger Verhältnisse ab
hängig, und wenn wir einen Fortschritt suchen wollen, so werden wir
ihn vorzugsweise nur darin finden, dass man mehr und mehr die Kräfte
kennen lernt, welche auf das Gedeihen der Trauben und auf die Ent
wickelung des Weines ein wirken, um die günstigen Einwirkungen zu
fördern und richtig zu benützen und die schädlichen abzuhalten oder
zu vermindern.