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Gruppe III. Chemische Industrie.
sehr verschiedenen Einfluss. Zu Gaillac bestand nach Olivier de Ser
res ] ) ein Gesetz, welches das Düngen der Reben verbot, weil die weis-
sen Weine schlechter werden und der gute Ruf der Gegend Noth leide.
In anderen südlichen Ländern, Spanien, Portugal, Italien, ist man eben
falls der Ansicht, dass Stalldünger die Güte des Weines vermindere.
In Griechenland fand ich bei sehr grossen Erträgen verschiedene Most
proben nicht ausgetrockneter Trauben von 26 bis 29 p. C. Zucker. Die
Felder werden schon seit sehr langer Zeit mit Reben bebaut und wur
den nie gedüngt. In Deutschland und so besonders auch im Rheingau
ist man der Ansicht, dass man nur bei genügend starker, besonders
auch ammoniakalischer Düngung sehr gute Weine erhalte. Wenn nun
in Deutschland bei kräftigem Boden durch stärkere Düngung auch die
Quantität vermehrt, die Qualität aber vermindert werden kann, so lässt
sich doch nach allen Beobachtungen annehmen, dass zur Erzeugung
einer gewissen Menge von Zucker in den Trauben um so mehr Stick
stoff im Boden nöthig ist, je nördlicher die Reben wachsen.
Nach meinen Untersuchungen 2 ) wird das Holz der Reben durch
Düngung mit Kalisalzen reicher an Kali und ist wohl anzunehmen,
dass solche Düngung auch auf die Qualität der Trauben einen gewissen
Einfluss ausübt, ein solcher ist indess noch nicht nachgewiesen.
3. Reife der Trauben.
Famintzin 3 ) hat im Jahr 1859 in Freiburg Trauben verschie
denen Reifegrades untersucht und folgende Ergebnisse erhalten:
Zeit der Entnahme
der Trauben
Für 100 cbcm Saft
Gewicht von
100 cbcm Saft
Trocken
substanz
Freie
Säure *
Zucker
17. Juli, alsbald nach
dem Verblühen . .
22. Juli
2. August
15. August
23. August
15. September
22. September
•
14. October
98-18
100-80
100-87
102-28
103- 12
104- 82
105- 49
107-72
5-64
4-57
4-10
5'00
9-50
12-12
15-26
18-09
2-06
2- 94
3- 06
3-37
2-60
1-30
0-80
0-71
Spuren
0-70
0-91
1-63
6-20
10-84
15-81
20-00
t) De Serres, Thüätre d’agriculture 1800, 175. 2 ) Landw. Versuchs
stationen XVI, 185, 1873. 3 ) Famintzin, Bericht über die Verhandlun
gen der naturhistorischen Gesellschaft in Freiburg i./B. II, 1860, 177.