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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Gummi, Zucker, organische Säuren etc., zum Theil in Wasser unlöslich 
und zwar tritt von diesen ein geringer Theil als Reste des Zellen 
inhalts auf, während der grössere Theil in Form von Intercellular- und 
Holzsubstanz oder aus dieser hervorgegangenen Farbstoffen, Harzen 
und dergleichen in der Zellenmembran eingelagert vorkommt. Neben 
diesen Substanzen enthalten fast alle rohen Pflanzenfasern mehr oder 
weniger von den dünnwandigen, parenchymen Gewebeelementen, welche, 
obgleich aus Cellulose bestehend, in diesem Falle als Nebenbestandtheil 
angesehen und gleichzeitig mit den anderen unlöslichen Substanzen 
durch Anwendung chemischer und mechanischer Processe entfernt 
werden. 
Mit Ausnahme der Baumwolle werden fast alle in der Textil 
industrie verwendeten Pflanzenfasern aus der Bastschicht dicotyler 
Pflanzenstengel erzeugt; dieselben werden zu diesem Zwecke vor 
der Samenreife abgeschnitten, da erfahrungsmässig während der Pe 
riode der Fruchtreife in den Zellen des Bastgewebes eine Verände 
rung eintritt, welche gleichbedeutend mit Verholzung ist, wodurch 
die Festigkeit der Faser sehr wesentlich beeinträchtigt wird. Nur bei 
Jute und einigen anderen ähnlichen indischen Fasern scheint dieser 
Verholzungsprocess auch schon früher einzutreten; bis jetzt wird we 
nigstens keine Jute producirt, die nicht mehr oder weniger verholzt 
ist. Alle übrigen textilen Bastfasern sind aber gewöhnlich ganz frei 
oder zeigen nur geringe Spuren von angehender Verholzung. 
Bei der Zubereitung dieser Classe von Pflanzenmaterialien handelt 
es sich daher um die Abscheidung der Bastschicht und hauptsächlich 
um die Entfernung der Intercellularsubstanz und fast ohne Ausnahme 
geschieht dieses durch den wohlbekannten Wasserröstprocess. 
Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Process bei ver 
schiedenen Materialien sehr verschiedenartig wirkt und es scheint dieser 
Umstand mit der Natur der Intercellularsubstanz zusammenzuhängen. 
Bei Flachs, Hanf und ähnlichen Bastfasern erstreckt sich die Wirkung 
nicht bis zur völligen Isolirung der Zellen und es werden dieselben 
durch einen Rest der Intercellularsubstanz oder ein Umwandlungsproduct 
derselben (Pectinsäure) noch lose zusammengehalten. Erst wenn die 
Faser versponnen oder verwebt vollständig gebleicht wird, werden 
diese letzten Antheile der fremden Bestandteile entfernt. Bei der 
Jute werden die feinen Bastfaserbündel in noch reinerem Zustand durch 
den schon in wenigen Tagen verlaufenden Röstprocess abgeschieden, 
aber auch hier wird der eigentliche Zusammenhang der Zellen auf 
diese Weise nicht aufgehoben; dieser Umstand ist von grosser Wichtig 
keit für die Verwendung derselben, denn die isolirten Jutebastzellen 
sind so kurz, dass sie als solche für textile Zwecke kaum benutzt 
werden könnten. Dagegen lässt sich bei der Böhmeria- und einigen 
Asclepiadeenfasern, welche alle durch ihre ausserordentliche Festigkeit
	        
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