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Gruppe III. Chemische Industrie.
Gummi, Zucker, organische Säuren etc., zum Theil in Wasser unlöslich
und zwar tritt von diesen ein geringer Theil als Reste des Zellen
inhalts auf, während der grössere Theil in Form von Intercellular- und
Holzsubstanz oder aus dieser hervorgegangenen Farbstoffen, Harzen
und dergleichen in der Zellenmembran eingelagert vorkommt. Neben
diesen Substanzen enthalten fast alle rohen Pflanzenfasern mehr oder
weniger von den dünnwandigen, parenchymen Gewebeelementen, welche,
obgleich aus Cellulose bestehend, in diesem Falle als Nebenbestandtheil
angesehen und gleichzeitig mit den anderen unlöslichen Substanzen
durch Anwendung chemischer und mechanischer Processe entfernt
werden.
Mit Ausnahme der Baumwolle werden fast alle in der Textil
industrie verwendeten Pflanzenfasern aus der Bastschicht dicotyler
Pflanzenstengel erzeugt; dieselben werden zu diesem Zwecke vor
der Samenreife abgeschnitten, da erfahrungsmässig während der Pe
riode der Fruchtreife in den Zellen des Bastgewebes eine Verände
rung eintritt, welche gleichbedeutend mit Verholzung ist, wodurch
die Festigkeit der Faser sehr wesentlich beeinträchtigt wird. Nur bei
Jute und einigen anderen ähnlichen indischen Fasern scheint dieser
Verholzungsprocess auch schon früher einzutreten; bis jetzt wird we
nigstens keine Jute producirt, die nicht mehr oder weniger verholzt
ist. Alle übrigen textilen Bastfasern sind aber gewöhnlich ganz frei
oder zeigen nur geringe Spuren von angehender Verholzung.
Bei der Zubereitung dieser Classe von Pflanzenmaterialien handelt
es sich daher um die Abscheidung der Bastschicht und hauptsächlich
um die Entfernung der Intercellularsubstanz und fast ohne Ausnahme
geschieht dieses durch den wohlbekannten Wasserröstprocess.
Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Process bei ver
schiedenen Materialien sehr verschiedenartig wirkt und es scheint dieser
Umstand mit der Natur der Intercellularsubstanz zusammenzuhängen.
Bei Flachs, Hanf und ähnlichen Bastfasern erstreckt sich die Wirkung
nicht bis zur völligen Isolirung der Zellen und es werden dieselben
durch einen Rest der Intercellularsubstanz oder ein Umwandlungsproduct
derselben (Pectinsäure) noch lose zusammengehalten. Erst wenn die
Faser versponnen oder verwebt vollständig gebleicht wird, werden
diese letzten Antheile der fremden Bestandteile entfernt. Bei der
Jute werden die feinen Bastfaserbündel in noch reinerem Zustand durch
den schon in wenigen Tagen verlaufenden Röstprocess abgeschieden,
aber auch hier wird der eigentliche Zusammenhang der Zellen auf
diese Weise nicht aufgehoben; dieser Umstand ist von grosser Wichtig
keit für die Verwendung derselben, denn die isolirten Jutebastzellen
sind so kurz, dass sie als solche für textile Zwecke kaum benutzt
werden könnten. Dagegen lässt sich bei der Böhmeria- und einigen
Asclepiadeenfasern, welche alle durch ihre ausserordentliche Festigkeit