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Die Bereitung des Weines.
Holz, oder faule Traubenbeeren, oder Kämme mit Rothwein zusammen,
so wird letzterer in wenigen Stunden, ähnlich wie bei Zusatz von Thier
kohle, fast oder ganz farblos. Befinden sich also in den zu Rothwein
bestimmten Trauben auch nur kleine Mengen fauler Traubentheile,
oder werden die zerstampften Trauben oder der Wein in schlechte, an
der Oberfläche vermoderte Standen oder Fässer gebracht, so verschwin
det ein mehr oder weniger grosser Theil des rothen Farbstoffes aus
dem Wein. Um Rothwein mit viel Farbe zu erhalten, müssen deshalb,
wenn faule Trauben vorhanden sind, dieselben entfernt werden, und
dürfen die zerstampften Trauben und der Rothwein nicht in Standen,
beziehungsweise Fässer gebracht werden, deren Holz an der inneren
Fläche vermodert ist.
2. Die Behandlung der zerstampften Trauben während
der Gährung. Sobald die Gährung beginnt, werden durch sich bil
dende Kohlensäure die Trester in die Höhe gehoben , es entsteht der
sogenannte Hut. Der Gedanke, dass der Farbstoff jener Hülsen, welche
aus der Flüssigkeit herausgehoben sind, nicht vollständig aufgelöst wird,
liegt sehr nahe. Es wurden deshalb schon sehr lange Methoden ge
prüft und angewandt, welche den Zweck haben, die Trester in der
Flüssigkeit zu halten. Entweder es wird im oberen Theil der Gährstande
ein durchlöcherter oder aus lose aneinandergefügten Latten dargestell
ter Senkboden befestigt und so viel Trauben angefüllt, dass bei der
Gährung die Trester zurückgehalten werden und die Flüssigkeit durch
den Senkboden gedrückt wird. Oder es wird ein solcher aus Weiden
geflecht dargestellter Senkboden aufgelegt und mit Steinen beschwert,
oder endlich es wird je nach Einfüllen einer etwa 30 cm hohen Schicht
-Irauben ein solcher Senkboden aufgelegt, bis die Stande genügend an
gefüllt ist, dann wird der oberste Senkboden mit Steinen beschwert.
Statt dieser Einrichtung werden , noch in vielen Weingegenden die
zerstampften Trauben (mit oder ohne die Kämme) in Standen oder Fäs
ser gebracht und die Trester des Tages 3- bis 4mal untergestossen.
Die Ansichten über den Werth der Senkboden in irgend einer
Form sind unter den Praktikern sehr verschieden. Während die Einen
die Verwendung derselben als grossen Fortschritt betrachten, halten sie
die Anderen für unnöthig, ja viele Producenten von Rothwein behaup
ten, dass die ohne Senkböden dargestellten Weine besser seien, als die
mit Senkboden dargestellten. Man kann indess mit voller Bestimmt
heit annehmen, dass unter gewissen Verhältnissen die Senkböden gros
sen Vortheil bieten, ja um fehlerfreien Wein zu erzeugen unerlässlich
sind. Auf der anderen Seite ist wieder nicht zu bezweifeln, dass unter
Umständen auch ohne Senkböden vorzügliche Weine erzeugt werden,
die bei Verwendung von Senkböden nicht besser, vielleicht nicht so gut
würden. Der wesentlichste hier mit zu berücksichtigende Umstand ist
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