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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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ausgezeichnet sind, der Röstprocess überhaupt nicht anwenden und zwar, 
wie es scheint, weil die Intercellularsubstanz hierdurch allzu leicht und 
vollkommen entfernt wird, so dass dadurch das Zellengewebe voll 
ständig zerfällt und die weitere Reinigung Von den anderen resisten 
teren Nehenbestandtheilen nicht praktisch ausführbar wird. 
Im Gegensatz zu diesen lassen sich wiederum andere Bastgewebe, 
wie z. B. der Lindenbast, selbst durch lange fortgesetzte Röstung, ja 
sogar durch Behandlung mit kaustischen Laugen nicht vollkommen 
zerfasern, d. h. in isolirte Zellen zerlegen, und aus diesem Grunde ist 
diese Art von Fasern in der Textilindustrie nicht verwerthbar. 
Diejenigen Pflanzengewebe, deren Zellenmembrane in einem aus 
gebildeten verholzten Zustande auftreten, wie dieses bei der Stroh- 
und Holzsubstanz der Fall ist, setzen der Abscheidung der reinen Cel 
lulose, wie sie als Papierfaser zur Anwendung kommt, ungleich grössere 
Schwierigkeiten entgegen und es sind zu diesem Zwecke die Mittel und 
Wege, deren man sich zur Aufbereitung der Bastfasern für die Textil 
industrie bedient, nicht praktisch anwendbar. (Siehe Einleitung zu den 
Materialien für die Papierindustrie S. 76). 
Das Wesen des Bleichprocesses. Wie schon angedeutet, 
wird durch die Einlagerung der incrustirenden Substanzen in der 
Zellwand besonders auch eine physikalische Veränderung herbeige 
führt, welche in allen Fällen, in denen es sich in der Verwendung 
der Faser um Schmiegsamkeit und Festigkeit handelt, diese werth 
vollen Eigenschaften sehr beeinträchtigt und schon aus diesem Grunde 
müssen diese Substanzen entfernt werden. Aber zu diesem Umstand 
gesellt sich noch ein anderer, welcher erheischt, dass diese Entfer 
nung eine möglichst vollständige sei, wie aus dem Nachstehenden 
ersichtlich wird. Obgleich in ihrer Verbindung mit Cellulose diese 
incrustirenden Substanzen keine hervortretende Färbung zeigen, be 
sitzen dieselben doch eine grosse Neigung unter den verschieden 
artigsten Einflüssen dunkel gefärbte Umwandlungsproducte zu bil 
den. Dieses macht sich besonders bemerklich bei allen Processen, 
die darauf hinausgehen, entweder durch Entfernung der Intercellular 
substanz die Faser aufzulockern oder durch gleichzeitige Lösung der 
verholzenden Substanz dieselbe schmiegsamer zu machen. Gleichgültig 
nun ob durch diese Processe die bezweckte Entfernung eine mehr oder 
weniger vollständige ist, immer bleiben Antheile der entstandenen dun 
kelgefärbten Zersetzungsproducte in der Membran eingeschlossen und 
wird die Faser hierdurch grau, gelbbraun oder selbst dunkel braun ge 
färbt. Die Entfernung dieser letzten Reste lässt sich nur durch einen 
Bleichprocess ausführen, welcher darauf hinausgeht, diese färbenden 
Substanzen weiter zu oxydiren und sie dadurch in Wasser oder ver 
dünnten Alkalien löslich zu machen. Bei den textilen Fasern wendet 
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