Pflanzenfaser.
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ausgezeichnet sind, der Röstprocess überhaupt nicht anwenden und zwar,
wie es scheint, weil die Intercellularsubstanz hierdurch allzu leicht und
vollkommen entfernt wird, so dass dadurch das Zellengewebe voll
ständig zerfällt und die weitere Reinigung Von den anderen resisten
teren Nehenbestandtheilen nicht praktisch ausführbar wird.
Im Gegensatz zu diesen lassen sich wiederum andere Bastgewebe,
wie z. B. der Lindenbast, selbst durch lange fortgesetzte Röstung, ja
sogar durch Behandlung mit kaustischen Laugen nicht vollkommen
zerfasern, d. h. in isolirte Zellen zerlegen, und aus diesem Grunde ist
diese Art von Fasern in der Textilindustrie nicht verwerthbar.
Diejenigen Pflanzengewebe, deren Zellenmembrane in einem aus
gebildeten verholzten Zustande auftreten, wie dieses bei der Stroh-
und Holzsubstanz der Fall ist, setzen der Abscheidung der reinen Cel
lulose, wie sie als Papierfaser zur Anwendung kommt, ungleich grössere
Schwierigkeiten entgegen und es sind zu diesem Zwecke die Mittel und
Wege, deren man sich zur Aufbereitung der Bastfasern für die Textil
industrie bedient, nicht praktisch anwendbar. (Siehe Einleitung zu den
Materialien für die Papierindustrie S. 76).
Das Wesen des Bleichprocesses. Wie schon angedeutet,
wird durch die Einlagerung der incrustirenden Substanzen in der
Zellwand besonders auch eine physikalische Veränderung herbeige
führt, welche in allen Fällen, in denen es sich in der Verwendung
der Faser um Schmiegsamkeit und Festigkeit handelt, diese werth
vollen Eigenschaften sehr beeinträchtigt und schon aus diesem Grunde
müssen diese Substanzen entfernt werden. Aber zu diesem Umstand
gesellt sich noch ein anderer, welcher erheischt, dass diese Entfer
nung eine möglichst vollständige sei, wie aus dem Nachstehenden
ersichtlich wird. Obgleich in ihrer Verbindung mit Cellulose diese
incrustirenden Substanzen keine hervortretende Färbung zeigen, be
sitzen dieselben doch eine grosse Neigung unter den verschieden
artigsten Einflüssen dunkel gefärbte Umwandlungsproducte zu bil
den. Dieses macht sich besonders bemerklich bei allen Processen,
die darauf hinausgehen, entweder durch Entfernung der Intercellular
substanz die Faser aufzulockern oder durch gleichzeitige Lösung der
verholzenden Substanz dieselbe schmiegsamer zu machen. Gleichgültig
nun ob durch diese Processe die bezweckte Entfernung eine mehr oder
weniger vollständige ist, immer bleiben Antheile der entstandenen dun
kelgefärbten Zersetzungsproducte in der Membran eingeschlossen und
wird die Faser hierdurch grau, gelbbraun oder selbst dunkel braun ge
färbt. Die Entfernung dieser letzten Reste lässt sich nur durch einen
Bleichprocess ausführen, welcher darauf hinausgeht, diese färbenden
Substanzen weiter zu oxydiren und sie dadurch in Wasser oder ver
dünnten Alkalien löslich zu machen. Bei den textilen Fasern wendet
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