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Gruppe HI. Chemische Industrie.
trat, und wenn dieser Zustand einige Zeit angehalten hat, konnte
man annehmen, dass er den schalen Geschmack habe, und die
Annahme bestätigte sich stets. Uebrigens ist es eine altbekannte
Annahme, dass der Wein, der Luft ausgesetzt, verderbe.“
Die Schlüsse, welche Pasteur 1 ) aus seinen Untersuchungen über
die chemische Wirkung des Sauerstoffs auf den Wein zieht, lassen sich
kurz in folgenden Sätzen ausdrücken:
1. Der Most enthält keinen freien Sauerstoff, kommt er mit Luft in
Berührung, so löst er davon auf, der Sauerstoff verbindet sich aber
in kurzer Zeit mit oxydirbaren Körpern des Mostes;
2. der Most unreifer Trauben scheint weniger Sauerstoff aufzunehmen,
als der Most reifer Trauben;
3. durch Einwirkung des Sauerstoffs der Luft wird die Farbe des
Mostes geändert; ergeht von Farblos in Gelbbraun über. Zugleich
nimmt der Most, wenn er nicht filtrirt ist, im Augenblick, wo die
Gährung beginnt, einen angenehmen, ätherischen Geruch an. Dieser
Geruch scheint mit der langsamen Lüftung im Zusammenhang
zu stehen;
4. der Wein enthält unmittelbar nach der Gährung nur Kohlensäure,
aber keine Spur eines anderen Gases, er enthält aber verschiedene
sehr oxydirbare Körper;
5. der alte Wein enthält ebenfalls keinen Sauerstoff, wohl aber bemerkliche
Mengen Stickstoff und weniger Kohlensäure als der neue
Wein;
6. wird vom jungen Wein immer die Luft abgehalten, so behält er
Farbe und Geschmack des jungen Weines, auch wenn er jahrelang
aufbewahrt oder monatelang der Sonne ausgesetzt wird;
7. die Farbveränderung des Weissweinesund des Rothweines sowie das
Entstehen des braunen Bodensatzes werden durch Einwirkung der
Luft bedingt. Alle Niederschläge, die in einem nicht kranken
Weine entstehen, sind ausschliesslich durch den Sauerstoff erzeugt
(Ausnahme Weinstein);
8. der Sauerstoff der Luft wird vom Wein aufgelöst und verbindet
sich erst nach und nach mit Bestandtheilen desselben. Der erste
Einfluss des Sauerstoffs ist wesentlich anders als derjenige, der
nach einer gewissen Zeit zu erkennen ist, wenn der Wein vor
neuer Oxydation geschützt war. Nachdem der Wein abgelassen,
verschickt oder in Flaschen gefüllt wurde, soll er deshalb ausruhen,
bevor man seine Qualität beurtheilen kann;
9. der Geschmack des fertigen Weines, aber auch der Geschmack des
alten Weines (Firn) wird durch die Luft hervorgerufen;
') Pasteur, Etudes sur le vin 84.