300 Gruppe III. Chemische Industrie.
8. durch Eiweiss, ebenso durch genügende Menge gesunder Hefe kann
solcher Wein vor dem Braunwerden geschützt und bereits braun
gewordener Wein entfärbt werden.
Es ist also nach all dem nicht zu bezweifeln, dass die Luft günstigen
und schädlichen Einfluss auf die Entwickelung des Weines ausüben
kann und dass es in hohem Grad geboten ist, durch Versuche und Untersuchungen
womöglich festzustellen, ob und in wie weit vermehrte Zufuhr
von Luft bei der Bereitung des Weines von Vortheil ist. Es lässt
sich indess nicht verkennen, dass der praktischen Ausführung, ganz besonders
der richtigen Beurtheilung der einzelnen Weine, ob und wie
stark sie zu lüften sind, grosse, kaum zu überwindende Schwierigkeiten
entgegenstehen. Wir wissen, dass die Körper, welche wir aus dem
Pflanzenreich im praktischen Leben verwenden, einer steten wenn auch
langsamen Veränderung unterworfen sind. Ganz allgemein findet hierbei
durch Einwirkung der Luft zuerst eine Verbesserung des Körpers
(z. B. Taback) statt; es tritt ein Culminationspunkt ein, von wo an die
Gegenstände durch die Einwirkung der Luft oder das Lagern nicht mehr
besser, sondern schlechter werden. Ganz dasselbe ist beim Wein der
Fall, sofern er in Gefässen auf bewahrt wird, welche den Zutritt der
Luft nicht ganz abschliessen. Dieser Culminationspunkt tritt aber bei
verschiedenen Weinen nach sehr verschieden langer Zeit ein. Während
z. B. geringe Weine aus Algier oder dem Departement de l’Herault
nach drei Jahren oft schon zu alt sind, wird der Rheinwein erst nach
6 bis 8 und mehr Jahren in den Handel gebracht, ohne schon den Culminationspunkt
überschritten zu haben. Aber nicht nur die allgemeinen
Eigenschaften des Weines einer Gegend sind hier maassgebend,
sondern auch mit jedem Jahr, mit jeder besonderen Behandlung des
Weines treten wieder Verschiedenheiten auf. Pasteur hat darauf hingewiesen,
dass der Most unreifer Trauben weniger Sauerstoff aufnimmt;
ohne Zweifel nehmen dagegen nach den oben angeführten Untersuchungen
die Weine mehr Sauerstoff auf, wenn sie länger mit Kämmen und
Kernen in Berührung, besonders aber, wenn die Trauben ganz oder
theilweise faul waren.
Jede zu starke Zufuhr von Luft kann schädlich sein. Sobald jene
Stoffe, die durch Oxydation zum Vortheile des Weines entfernt oder
umgeändert werden, mit Sauerstoff gesättigt sind, werden andere Stoffe
zerstört oder umgeändert, welche dazu beitrugen, die Güte des Weines
zu erhöhen. Bei den von Berthelot beschriebenen Versuchen wurden
wohl solche Weine verwendet, welche den Culminationspunkt bereits
erreicht hatten. In der Praxis der Weinbereitung und Weinbehandlung
ist es allgemein bekannt, dass sogenannte fertige Weine möglichst vor
Luft zu schützen sind.
Schliesslich will ich hier hei der Einwirkung der Luft auf den Wem
noch ein Mittel kurz besprechen, das allgemein angewandt wird, um