Die Bereitung des Weines. 303
zurück. Die Bildung von Säure scheint zwischen 15 und 30° von dem
Wärmegrad unabhängig zu sein.
Nach Berthelot 1 ) steht die Bildung von Aetherarten durch Einwirkung
von Säuren auf Alkohole in einem bestimmten Verhältnis zur
Menge der vorhandenen Säuren und der vorhandenen Alkohole. Erst
nach Jahren sei diese Aetherbildung beendet, sie werde aber beschleunigt
durch Wärme und verzögert durch Kälte.
Wie erwähnt nimmt Pasteur an, dass ein Theil des Bouquets
durch Einwirkung des Sauerstoffs der Luft auf Bestandtheile des Weines
gebildet wird. Diese Einwirkung der Luft auf den Wein sowie die
Aenderung der Farbe und die Abscheidung unlöslicher Stoffe findet
ohne allen Zweifel bei höherem Wärmegrad ebenfalls rascher statt als
bei niedererem Wärmegrad. Aus all diesen Gründen wird ein Wein
früher reif, um in Flaschen abgezogen und in denselben als fertiger
Wein verkauft werden zu können, wenn man dafür sorgt, dass er bei
seinem Lagern immer einem genügend hohen Wärmegrad ausgesetzt
ist. In südlichen Ländern kommt diese Frage weniger in Betracht, da
dort schon genügend Wärme auf den Wein einwirkt. In nördlicher gelegenen
Städten, wo grosser Weinhandel betrieben wird, wie z. B. in Hamburg,
sorgt man aber durch Heizen der Lagerräume dafür, dass der
Wein immer einen Wärmegrad von 12 bis 1'5° habe, und wurde mir dort
mitgetheilt, dass man dadurch erreicht, die Weine um ein Jahr früher
so reif zu haben, wie sie für den Grosshandel verlangt werden.
Wir sehen also, dass durch erhöhte Zufuhr von Luft und durch
Erhöhung des Wärmegrades, wenn dieser zu niedrig ist, eine Beschleunigung
der Entwickelung des Weines erzielt wird.
Auf der anderen Seite wissen wir, dass durch die Luft der Wohlgeschmack
des Weines entfernt werden kann und dass ebenso wie die
günstige Entwickelung auch die Krankheiten und somit das Verderben
des Weines durch höheren Wärmegrad beschleunigt werden können.
Künstliche Zufuhr von Luft und Erhöhung des Wärmegrades bei und
nach der Gährung verlangen also an und für sich grösste Aufmerksamkeit.
Schliesslich sei noch erwähnt, dass auch ein sehr niederer Wärmegrad
einen erheblichen Einfluss auf den Wein ausüben kann.
Im Saft der Trauben ist fast immer mehr Weinstein enthalten als
nach dem Entstehen von Weingeist im Wein gelöst bleiben kann, es
scheidet sich deshalb bei oder nach der Gährung Weinstein ab und der
junge Wein ist eine gesättigte Lösung von Weinstein. Da der Weinstein
bei höherem Wärmegrad in grösserer, bei niederem Wärmegrad
in kleinerer Menge löslich ist, so muss ein Wein, der während der Gährung
und während dem Lagern immer einem höheren Wärmegrad ausgex
) Compt. rend. LVI1, 231, 281.