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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Die Bereitung des Weines. 
10 bis 15 Hl, aus welchen der Wein glas- und flaschenweise ver- 
zapft wird. 
Seitdem man weiss, dass die schädliche Wirkung der Luft vorzugs 
weise durch kleine Pilze gleichsam vermittelt wird, wendet man Appa 
rate an, welche bei dem noch gähnenden Wein die Kohlensäure ent 
weichen, aber die atmosphärische Luft nicht eindringen lassen. Man 
erreichte dies durch sogenannte Gährtrichter, Gährspunden, Gährröhren 
in welchen die Luft durch Wasser abgeschlossen wird. 
Bei Wein im Verzapf stellte man sich die Aufgabe, die Luft, welche 
beim Ablassen von Wein eindringen muss, dadurch von den Keimen 
jener Pflänzchen zu reinigen, dass man sie durch Kugelröhren ähnlich 
den Sicherheitsröhren oder andere im Spund befestigte Apparate leitet, 
welche Weingeist oder auch Baumwolle enthalten. Es ist indess ganz 
klar, dass das Abhalten der Keime jener Pflänzchen nicht die alleinige 
ja nicht einmal die wesentlichste Aufgabe dieser Apparate sein darf, 
wenn sie überhaupt von erheblicherem Nutzen sein sollen. Der Most und 
der Wein kommen so vielfach mit Luft in Berührung, dass sie wohl in 
den meisten Fällen oder immer die Keime solcher Pflänzchen enthalten; 
dieselben werden sich entwickeln, sobald die äusseren Verhältnisse hierzu 
günstig sind. Füllt man eine Flasche mit Wein, auf welchem seiner 
Zusammensetzung nach überhaupt Mycodermen entstehen können, ver 
korkt die Flasche und lässt sie aufrecht stehen, so bilden sich ganz all 
gemein Mycodermen an der Oberfläche des Weines, wenn auch der Kork 
so dicht ist, dass ein Eindringen von Keimen nicht angenommen wer 
den kann. Jedenfalls werden all die vorgeschlagenen Apparate nicht 
im Stande sein, die Keime der Mycodermen besser abzuhalten , als ein 
guter Kork, um so mehr, als beim Ablassen von Wein aus einem Fasse 
grosse Mengen Luft in verhältnissmässig kurzer Zeit durch jene Appa 
rate gehen. Legt man eine Flasche Wein so, dass der Kork immer 
nass bleibt, so bilden sich keine Mycodermen; offenbar deshalb, weil 
die Diffusion der Gase in und der Luft ausser der Flasche aufgehoben 
] st, während sie durch den trocknen Kork der stehenden Flasche statt 
findet. Eine Berechnung zeigt uns denn auch, dass die Abnahme an 
Weingeist im Wein durch Mycodermen nur eine geringe sein kann, 
wenn das Gefäss selbst zu einem Viertel mit Luft gefüllt ist, aber eine 
Diffusion der Gase nicht stattfindet. 
Der Hectoliter Luft wiegt bei 0° und 76 cm Barometerstand 
129-32 g und enthält 29'8 g Sauerstoff. 23 Thle. Weingeist brauchen 
aber, um verbrannt zu werden, zu Kohlensäure 48, zu Essigsäure 16 Thle. 
Sauerstoff. Sind in einem Fass, das 4 Hl hält, nur 3 Hl Wein, bleibt 
also der Raum von 1 Hl mit Luft gefüllt, so können, wenn aller Sauer 
stoff der Luft im Fass verwendet wird, 14'28 g Weingeist zu Kohlen 
säure oder 42 - 84 g Weingeist zu Essigsäure verbrannt werden. 3 Hl 
Wein wiegen bei 6° Oechsle 298'2Kg und enthalten bei 8 p. C. 23 - 8Kg 
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