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Gruppe III. Chemische Industrie.
man hierzu vorherrschend die Rasenbleiche, hei den Papierstoffen die
Chlorbleiehe an. Ist die Wirkung der in Anwendung gebrachten Oxy
dationsmittel eine erschöpfende, so bilden sich neben Kohlensäure farb
lose, lösliche, bei beschränkter aber besonders solche Producte, welche
in Gegenwart von selbst schwachen Alkalien eine intensiv braune
Farbe annehmen. Bleibt daher bei dem Bleichen der Faser selbst
nur eine geringe Menge der nicht vollständig oxydirten incrustiren-
den Substanzen in der Zellenmembran eingeschlossen, so veranlasst
diese nach einiger Zeit und besonders beim nachfolgenden Waschen
mit Wasser, welches, wie es häufig der Fall ist, kohlensauren Kalk ent
hält, das sogenannte Rückgehen der Bleiche, eine besonders in der
Papierfabrikation wohlbekannte lästige Erscheinung.
Bei der Rasenbleiche werden durch den Sauerstoff der Luft unter
Mitwirkung des Sonnenlichtes und der Feuchtigkeit die Intercellular
substanz und andere noch in der Faser enthaltene gefärbte Substanzen
allmälig oxydirt und dann durch die darauf folgende Behandlung mit
alkalischer Lauge (dem sogenannten Bäuchen) in Lösung gebracht und
entfernt. Nur durch oftmalige Wiederholung dieser aufeinander fol
genden Operationen wird endlich die Faser farblos.
Da die incrustirenden Stoffe in der Substanz der Zellhaut einge
schlossen sind, müssen die Bleichmittel, um zu diesen zu gelangen, in
die Substanz derselben eindringen, also durch Endosmose wirken und
da die Cellulose selbst diesen Agentien gegenüber durchaus nicht un
empfindlich ist, so ist leicht zu verstehen, welche Gefahr für den Be
stand der Faser während dieser Operation erwachsen kann.
Um also bei dem Bleichen mit den energischeren Mitteln, wie
Chlorkalklösung, in möglichst rationeller Weise zu verfahren, ist es
angezeigt, diese Operation möglichst langsam auszuführen oder mit
anderen Worten nur verdünntes Bleichmittel in Anwendung zu brin
gen und in dem Grade, in welchem dieses erschöpft wird, die Wirkung
durch Zusatz neuer entsprechender Quantitäten zu unterhalten. Ohne
aber das Bleichen auf diese Weise bis zum Verschwinden aller Farbe
zu treiben, unterbricht man dieselbe und behandelt nun das Bleichgut
am besten in der Wärme mit sehr verdünnter Natronlauge, um den
grössten Theil des aus der incrustirenden Substanz entstandenen ge
färbten Zwischenproductes in Lösung zu bringen und so zu entfernen.
In den meisten Fällen genügt dann eine schwache Nachbleiche, um den
Process zu vollenden, während in anderen Fällen durch Wiederholung
der aufeinanderfolgenden Behandlung der Endzweck erreicht wird.
Diese intermittirende Bleichmethode gestattet eines Theils der
electiven Wirkung des Bleichmittels mehr Spielraum und anderen
Theils wird eine sehr beträchtliche Erspamiss desselben erzielt; was
jedoch die Hauptsache ist, die Festigkeit der Faser wird durch dieses
Verfahren möglichst wenig beeinträchtigt. Es ist diese Art des Blei-