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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
man hierzu vorherrschend die Rasenbleiche, hei den Papierstoffen die 
Chlorbleiehe an. Ist die Wirkung der in Anwendung gebrachten Oxy 
dationsmittel eine erschöpfende, so bilden sich neben Kohlensäure farb 
lose, lösliche, bei beschränkter aber besonders solche Producte, welche 
in Gegenwart von selbst schwachen Alkalien eine intensiv braune 
Farbe annehmen. Bleibt daher bei dem Bleichen der Faser selbst 
nur eine geringe Menge der nicht vollständig oxydirten incrustiren- 
den Substanzen in der Zellenmembran eingeschlossen, so veranlasst 
diese nach einiger Zeit und besonders beim nachfolgenden Waschen 
mit Wasser, welches, wie es häufig der Fall ist, kohlensauren Kalk ent 
hält, das sogenannte Rückgehen der Bleiche, eine besonders in der 
Papierfabrikation wohlbekannte lästige Erscheinung. 
Bei der Rasenbleiche werden durch den Sauerstoff der Luft unter 
Mitwirkung des Sonnenlichtes und der Feuchtigkeit die Intercellular 
substanz und andere noch in der Faser enthaltene gefärbte Substanzen 
allmälig oxydirt und dann durch die darauf folgende Behandlung mit 
alkalischer Lauge (dem sogenannten Bäuchen) in Lösung gebracht und 
entfernt. Nur durch oftmalige Wiederholung dieser aufeinander fol 
genden Operationen wird endlich die Faser farblos. 
Da die incrustirenden Stoffe in der Substanz der Zellhaut einge 
schlossen sind, müssen die Bleichmittel, um zu diesen zu gelangen, in 
die Substanz derselben eindringen, also durch Endosmose wirken und 
da die Cellulose selbst diesen Agentien gegenüber durchaus nicht un 
empfindlich ist, so ist leicht zu verstehen, welche Gefahr für den Be 
stand der Faser während dieser Operation erwachsen kann. 
Um also bei dem Bleichen mit den energischeren Mitteln, wie 
Chlorkalklösung, in möglichst rationeller Weise zu verfahren, ist es 
angezeigt, diese Operation möglichst langsam auszuführen oder mit 
anderen Worten nur verdünntes Bleichmittel in Anwendung zu brin 
gen und in dem Grade, in welchem dieses erschöpft wird, die Wirkung 
durch Zusatz neuer entsprechender Quantitäten zu unterhalten. Ohne 
aber das Bleichen auf diese Weise bis zum Verschwinden aller Farbe 
zu treiben, unterbricht man dieselbe und behandelt nun das Bleichgut 
am besten in der Wärme mit sehr verdünnter Natronlauge, um den 
grössten Theil des aus der incrustirenden Substanz entstandenen ge 
färbten Zwischenproductes in Lösung zu bringen und so zu entfernen. 
In den meisten Fällen genügt dann eine schwache Nachbleiche, um den 
Process zu vollenden, während in anderen Fällen durch Wiederholung 
der aufeinanderfolgenden Behandlung der Endzweck erreicht wird. 
Diese intermittirende Bleichmethode gestattet eines Theils der 
electiven Wirkung des Bleichmittels mehr Spielraum und anderen 
Theils wird eine sehr beträchtliche Erspamiss desselben erzielt; was 
jedoch die Hauptsache ist, die Festigkeit der Faser wird durch dieses 
Verfahren möglichst wenig beeinträchtigt. Es ist diese Art des Blei-
	        
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