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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

308  Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
Weingeist.  Wird  aller  Sauerstoff  der  Luft  im  Fass  verwendet  und
dringt  keine  andere  Luft  mehr  ein,  so  werden  die  3  Hl  Wein  im  Fass
bei  Bildung  von  Kohlensäure  nur  um  0'0048  und  bei  Bildung  von  Essigsäure ­
  um  0‘0144  p.  C.  an  Weingeist  ärmer.  Der  Wem  würde  statt  8
nur  noch  7'9952,  bez.  7’9856  p.  C.  Weingeist  enthalten.  Eine  Abnahme,
die  wir  mit  unseren  gewöhnlichen  Apparaten  nicht  nachweisen  können.
Um  den  Wein  1 / 2  p.  C.  an  Weingeist  ärmer  zu  machen,  muss  hei  Bildung ­
  von  Kohlensäure  die  Luft  über  100,  bei  Bildung  von  Essigsäure
34  mal  vollständig  verbraucht  und  wieder  erneuert  werden.
Die  Apparate  zum  Abhalten  der  schädlichen  Wirkung  der  Luft  auf
den  Wein  müssen  also  in  erster  Linie  die  Diffusion  der  Gase  vermindern.
Die  mit  Baumwolle  gefüllten  Vorrichtungen  sind  wohl  im  Stande,  die
Luft  von  den  Keimen  der  Mycodermen  zu  reinigen,  sie  entsprechen  aber
den  Anforderungen  die  Diffusion  zu  vermindern  nicht.  Die  mit  Weingeist ­
  gefüllten  Apparate  bieten  manche  Missstände;  sie  sind  zerbrechlich, ­
  der  Weingeist  verdunstet  ziemlich  rasch  u.  s.  w.  Ich  habe  deshalb
einen  Apparat  darstellen  lassen  1 ),  welcher  frei  ist  von  diesen  Missständen. ­
  In  einen  von  unten  durchbohrten  Spund  wird  ein  kleiner
Apparat  von  Messing  geschraubt,  in  welchem  zwei  Ventile  so  angebracht
sind,  dass  das  eine  sich  hebt,  wenn  Wein  abgelassen  wird,  das  andere,
wenn  im  Innern  des  Fasses  durch  Kohlensäure  oder  durch  Erhöhung
des  Wärmegrades  ein  Druck  entsteht.  Luft,  welche  beim  Ablassen  von
Wein  eindringt,  wird  durch  in  der  Höhlung  des  Spundes  enthaltene
Baumwolle  filtrirt.
Bei  Wein,  welcher  durch  Bildung  von  Essigsäure  zu  sauer  geworden ­
  ist,  werden  verschiedene  Mittel  angewandt,  um  einen  Theil  der  Säure
des  Weines  zu  neutralisiren.
Liebig  hat  vorgeschlagen,  neutrales  weinsaures  Kali  hierzu  anzuwenden. ­
  Er  ging  hierbei  von  der  Ansicht  aus,  dass  im  Wein  freie  Weinsäure ­
  sei,  welche  sich  mit  dem  neutralen  weinsauren  Kali  verbindet  und
als  Weinstein  herausfällt.  Nachdem  nun  Berthelot  und  de  Fleurieu  -’)
in  einer  grösseren  Anzahl  französischer  und  ich  in  einer  grossen  Anzahl ­
  deutscher  und  fremder 3 )  Weine  nachgewiesen  haben,  dass  ganz
allgemein  im  Wein  keine  freie  Weinsäure  enthalten  ist,  hat  offenbar
das  neutrale  weinsaure  Kali  keine  andere  Wirkung  als  eine  äquivalente
Menge  kohlensaures  Kali;  übrigens  hätte  selbstverständlich  auch  bei
Vorhandensein  von  freier  Weinsäure  eine  entsprechend  kleinere  Menge
reines  kohlensaures  Kali  dieselbe  Wirkung  wie  neutrales  weinsaures  Kali.
Kreide  und  anderer  kohlensaurer  Kalk  wird  zum  Entsäuern  von

i)  Nessler,  Wochenbl.  d.  landw.  Vereins  in  Baden  1874,  Nro.  50.
2 )  de  Fleurieu,  Compt.  rentl.  LVII,  394.  3 )  Nessler,  Der  Weiu,  seine
Bestandteile  u.  s.  w.  10,  und  Wochenbl.  d.  landw.  Vereins  in  Baden  1874,
Nro.  27.

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