310 Gruppe III. Chemische Industrie.
Wickelung günstig sind. Wenn also jenes Ferment im klaren Wein
sich entwickeln und diesen zerstören könnte, so ist wohl anzunehmen,
dass das Ablassen des Weines nicht genügte, das Umschlagen desselben
zn verhüten. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass die Hefe sich im
Wein zersetzen kann und ist sicher nicht zu zweifeln , dass die Zersetznngsproducte
der Hefe einen ganz bedeutenden Einfluss auf den
Wein ausüben werden. Vielleicht werden ähnliche Krankheiten durch
die Zersetzung der Hefe und durch jenes Ferment erzeugt, die man
beide mit dem gleichen Namen belegt. Vielleicht wird die Krankheit
durch das Ferment erzeugt, aber dasselbe entwickelt sich nur bei Vorhandensein
von Zersetzungsproducten der Hefe. Wenn wir auch noch
nicht ganz im Klaren sind über die Ursachen dieser Krankheit, so hat
man doch für Weisswein in der Praxis ein Mittel, durch das man das
Fortschreiten der Krankheit verhindert. Der Wein wird nämlich von
der Hefe abgelassen und in ein ziemlich stark eingebranntes Fass gebracht.
Durch die schweflige Säure wird das Ferment getödtet oder
doch wirkungslos gemacht; es setzt sich nun zu Boden. Der Wein
wird hiervon sowie von der schwefligen Säure durch wiederholtes Ablassen
befreit.
3. Zäh- oder Langwerden des Weines.
Diese Krankheit tritt bei Weisswein sehr häufig, beiKothwein selten
auf Es sind fast ausschliesslich junge, noch nicht ganz vergohrene
Weine, die von der Krankheit befallen werden; ältere Weine werden
nur dann zäh, wenn denselben junge Weine beigemischt wurden. Vorzugsweise
tritt das Zähwerden dann auf, wenn die Weine nicht abgelassen
wurden oder, wenn junge, noch nicht vergohrene Weine in verkorkten
Flaschen aufbewahrt werden. In letzterem Falle werden selbst
Rothweine zäh.
Der Wein wird zuerst etwas trüb, wolkig, ähnlich wie beim Umschlagen
und nimmt nach und nach eine zähe, schleimige Beschaffenheit
an, die so weit gehen kann, dass der Wein in dieser Beziehung wird wie
Eiweiss. Wird zäher Wein stark geschüttelt, so entweicht viel Kohlensäuie
und die zähe Beschaffenheit des Weines verschwindet.
Chaptal, der als eine wesentliche Bedingung für die Gewinnung
eines haltbaren Weines ein richtiges Verhältniss zwischen dem Zucker
und dem Ferment (das sich nach ihm dem thierischen Leim nähert)
annahm, schreibt nun das Zähwerden dem Ueberwiegen dieses Leimes
(Gluten) zu.
Nach dieser Annahme, dass die zähe Beschaffenheit des Weines
von einem eiweissähnlichen Körper herrühre, wurde als Mittel gegen
die Krankheit Gerbstoff empfohlen, der mit jenen Körpern eine unlösliche
Verbindung bilden sollte.