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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

316

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
desselben  entstehen,  mischen  sich  nicht  selten  mit  dem  Wein  und  haben
so  dieselbe  Wirkung  wie  die  im  Wein  entstehenden  Pilze.  Da  diese
Vorkommnisse  bereits  besprochen  sind,  so  kann  ich  mich  damit  begnügen, ­
  sie  hiermit  angedeutet  zu  haben.
Eine  andere  Art  des  Trübwerdens  verursacht  nicht  selten  Unannehmlichkeiten ­
  im  Weinhandel,  ohne  dass  die  Ursache  immer  erkannt
oder  ein  richtiges  Mittel  zum  Abhalten  desselben  angewendet  wird.
Es  ist  dies  nämlich  das  Trübwerden  des  Weines  durch  Kälte.  Ausser
dem  Weinstein  sind  noch  andere  bis  jetzt  nicht  näher  bekannte  Stoffe
im  Wein  enthalten,  welche  bei  höherem  Wärmegrad  in  grösserer  Menge
gelöst  bleiben  als  in  niederem.  Weine,  die  auf  einen  niedereren  Wärmegrad ­
  abgekühlt  werden,  als  sie  einem  solchen  bis  jetzt  je  ausgesetzt
waren,  werden  daher  zuweilen  sehr  rasch  trüb.  Es  kommt  dies  selbstverständlich ­
  am  meisten  vor,  wenn  Weine  im  Winter  verschickt  werden.
Das  einzige  Mittel,  diesem  Missstand  sicher  vorzubeugen,  besteht  darin,
dass  man  den  Wein  vorher  auf  2  bis  3°  C.  über  0  abkühlt  und  ihn  bei
diesem  Wärmegrad  schönt,  d.  h.  die  jetzt  unlöslich  gewordenen  Stoffe
entfernt.
Das  Schönen,  d.  h.  das  Hellmachen  des  Weines,  hat  für  den  Weinhandel ­
  eine  grosse  Bedeutung.  Nicht  nur,  dass  ein  heller  Wein  schöner ­
  und  ansprechender  ist,  als  ein  trüber  Wein,  sondern  die  ungelösten
Stoffe,  die  das  Trübsein  des  Weines  bedingen,  ertheilen  diesem  manchmal ­
  einen  eigenthümlichen  Geschmack  oder  verdecken  den  feineren  Geschmack ­
  des  Weines.  Werden  die  ungelösten  Stoffe  durch  das  Schönen
entfernt,  so  tritt  in  diesen  Fällen  ein  reinerer  und  besserer  Geschmack
auf.  In  Deutschland  wendet  man  vorzugsweise  Hausenblase,  in  Frankreich ­
  mehr  Gelatine  und  Leim,  in  England  und  Spanien  eine  eigene
Erde  zum  Schönen  an.
Hausenblase,  Leim  und  Eiweiss  werden  durch  Gerbstoff  des  Weines ­
  unlöslich,  scheiden  sich  wieder  aus  dem  Wein  ab  und  nehmen  mechanisch ­
  die  ungelöst  im  Wein  enthaltenen  Stoffe  mit.  So  einfach  das
Verfahren  des  Schönens  ist,  so  hot  es  und  bietet  jetzt  noch  den  Kellereien ­
  oft  grosse  Schwierigkeiten,  weil  man  die  mitwirkenden  Umstände
nicht  immer  richtig  zu  beurtheilen  im  Stande  ist.  Ich  habe  eine
grössere  Reihe  von  Untersuchungen  ausgeführt  um  die  Ursachen  des
häufigen  Misslingens  des  Schönens  zu  ermitteln,  und  führe  die  wichtigsten ­
  Ergebnisse  derselben  hier  an  x ):
1.  Bei  Weisswein,  der  wenig  Gerbstoff  enthält,  ist  das  beste  Schönungsmittel ­
  Hausenblase.  Eiweiss,  Gelatine  und  Leim  scheiden  sich
bei  wenig  Gerbstoff  nicht  oder  nicht  gut  ab.

!)  Nessler,  Behandlung  d.  Weines  159.
            
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