Die Bereitung des Weines. . 319
net. Das Auftreten von Schwefelwasserstoff im Wein kann durch ver
schiedene Ursachen hervorgerufen werden. Einfluss hierauf haben:
1. Der Boden. In den Trauben bemerkt man nie den Geruch nach
Schwefelwasserstoff. Auf der anderen Seite liefern, wie wiederholte
Versuche mir gezeigt haben, schwefelsaure Salze bei der Gährung keinen
Schwefelwasserstoff. Wenn also der Boden veranlassen kann, dass der
Wein Schwefelwasserstoff enthält, so müssen andere Schwefelverbin
dungen in den Trauben enthalten sein, aus welchen bei der Gährung
der Schwefelwasserstoff entsteht. Im Allgemeinen wird angenommen,
dass von Thonschieferböden, die Schwefeleisen (Schwefelkies) enthalten,
um so stärker der Böcksergeschmack entsteht, je mehr die Zersetzung
dieses Minerals durch starke Stallmistdüngung befördert wurde. Bei
einem solchen Boden, der gewöhnlich einen Böckserwein liefert, konnte
ich durch Uebergiessen mit Schwefelsäirre unmittelbar Schwefelwasser
stoff nachweisen. So viel mir bekannt worden, sind es vorzugsweise
kalkreiche Böden, von welchen der Böckser entsteht.
2. Die Düngung hat Einfluss auf die Entstehung des Böcksers.
So wird derselbe durch massenhafte Anwendung von Wollabfällen vor
übergehend hervorgerufen.
3. Durch Vorhandensein von Schwefel in der gährenden Flüs
sigkeit. Nach meinen Untersuchungen (s. „Weinlaube“ 1869, S. 6) ent
steht überall Schwefelwasserstoff, wo freier Schwefel in gährenden Flüs
sigkeiten enthalten ist.
Werden Trauben zur Beseitigung der Traubenkrankheit geschwe
felt, so bleibt gewöhnlich so viel Schwefel an denselben hängen, dass
sich erhebliche Mengen von Schwefelwasserstoff im Wein bilden.
Beim Einbrennen der Fässer tropft von den Schnitten gewöhnlich
ein Theil Schwefel ab, ein anderer Theil verflüchtigt sich in dem Fass
ohne zu verbrennen. Letzteres findet besonders dann in erheblichem
Grad statt, wenn man verhältnissmässig viel Schwefel verbrennt, so dass
zuletzt nicht mehr hinreichend Sauerstoff im Fass ist, um den Schwefel
rasch zu verbrennen *). Bringt man sodann Most oder noch gährenden
Wein in ein Fass, in welchem sich solch abgetropfter oder durch Ver
flüchtigen fein zertheilter Schwefel befindet, so wird Schwefelwasserstoff,
also der Böckser, entstehen.
4. Durch Zersetzung der Hefe. Die Hefe enthält Schwefel.
Lassen wir Hefe faulen, so entsteht Schwefelwasserstoff. Dass eine solche
oder ähnliche Zersetzung auch im Wein stattfindet, ist nicht zu zwei-
*) Verbrennt man in einer Flasche einen Schwefelfaden, so kann man
leicht beobachten, dass sich viel Schwefe] verflüchtigt und sich an die Wan
dungen der Flasche setzt.