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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
fein. Manchmal tritt Schwefelwasserstoff erst ganz am Ende der Gäh- 
rting auf, wenn sich bereits die Hefe dicht zusammengesetzt hat. 
Bei Gährungsversuchen mit Zuckerwasser und Presshefe, in welch’ 
beiden kein schon gebildeter Schwefelwasserstoff enthalten war, trat 
wiederholt gegen Ende der Gährung Schwefelwasserstoff auf. Es scheint, 
dass der Gehalt an Zucker in der Lösung einen wesentlichen Einfluss 
hierauf ausübt und zwar trat immer um so früher und um so mehr 
Schwefelwasserstoff auf, je mehr Zucker in der Lösung enthalten war. 
5. Durch Vorhandensein von Eisen im Fass. Bei grossen 
Fässern werden die Thürchen mit Schrauben befestigt, welche im Innern 
des Fasses mit Holz oder Unschlitt bedeckt sein sollen. Wird das Be 
decken dieses Schraubenkopfes unterlassen, so kommt Eisen mit Wein 
in Berührung und ertheilt diesem wesentlich andere Eigenschaften, oft 
auch einen Geruch nach Schwefelwasserstoff. 
Brennen wir ein Gefäss, das angefeuchtetes Eisen enthält, mit 
Schwefel ein, so verschwindet der Geruch nach schwefliger Säure sehr 
bald, es bildet sich auf d^m Eisen Schwefeleisen und schwefligsaures 
Eisenoxydul, welches letztere sich oft in Form von harten kleinen Kry- 
stallen am Eisen ansetzt. Bringen wir Wasser hinzu, so löst sich das 
Schwefeleisen gar nicht und das schwefligsaure Eisenoxydul sehr schwer. 
Beim Reinigen der Fässer bleibt also ersteres ganz, letzteres in den 
meisten Fällen zum grössten Theile zurück. Durch verdünnte Säure, 
also auch durchWein, wird sowohl das Schwefeleisen als das schweflig 
saure Eisenoxydul zersetzt; es bildet sich Schwefelwasserstoff, die Flüs 
sigkeit wird milchig trüb durch abgeschiedenen Schwefel und riecht 
eben durch die ziemlich grosse Menge Schwefelwasserstoff sehr unan 
genehm. 
Es kann also in dieser Weise in ganz fertigem Wein noch Schwefel 
wasserstoff entstehen. 
In der Praxis hat man das Auftreten des Böcksergeruchs in ganz 
jungem, noch unreifem Wein nicht gerade ungern, weil man ihn als 
Zeichen und Begleiter sonstiger guter Eigenschaften des Weines betrach 
tet. In der That sind es vorzugsweise die an Zucker reichen Most 
sorten, die einen schwefelwasserstoffhaltigen Wein liefern. Es scheint 
dies mit meinem oben beschriebenen Versuch im Einklang zu stehen. 
Der Böckserwein riecht nicht nur nach Schwefelwasserstoff, sondern 
er hat noch einen anderen Beigeruch und Geschmack, der ohne Zweifel 
durch Einwirkung des Schwefelwasserstoffes auf den Weingeist entsteht. 
Die Frage, wie ist der Schwefelwasserstoff zu entfernen, wurde 
schon in verschiedenerWeise beantwortet. Man empfahl: 1. den Zusatz 
von Bleisalzen, um unlösliches Schwefelblei entstehen zu lassen; 2. das 
öftere Ablassen, damit ein Theil des Schwefelwasserstoffs sich verflüch 
tige, ein anderer sich durch Einwirkung der Luft zersetze und 3. den
	        
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