Die Bereitung des Weines. 321
Wein, einige Male in stark eingebrannte Fässer überzufüllen, weil durch
Einwirkung der schwefligen Säure auf den Schwefelwasserstoff letzterer
zersetzt wird.
_ Es versteht sich wohl von selbst, dass das erste Mittel ganz unzu
lässig ist. Nach meinen Versuchen verdient bei Weisswein die Anwen
dung von schwefliger Säure, d. h. das Ueberfüllen in ein eingebranntes
Fass, den Vorzug. Bei Rothwein hingegen ist das wiederholte Ablassen
vorzuziehen, da durch die schweflige Säure und durch das Entstehen
von fein getheiltem Schwefel der Rothwein zum Theil entfärbt wird.
8. Bitterwerden des Rothweines.
Zu einer bestimmten Zeit ihrer Entwickelung werden Rothweine
meist etwas bitter, w'as indess von den Weinlagerbesitzern und Wein
händlern gern gesehen wird, weil es besonders bei den besseren jungen
Weinen auftritt und gewöhnlich bald wieder verschwindet.
Anders ist es mit dem eigentlichen Bitterwerden des Rothweins.
Es tritt bei den besseren reifen Weinen auf, verschwindet aber nicht
wieder, sondern nimmt oft sowohl in Fässern als in Flaschen in einem
solchen Grade zu, dass der Wein dadurch unbrauchbar wird.
DerWeisswein wird nicht bitter. Da der wesentlichste Unterschied
zwischen dem Weiss- und Rothwein in dem Gehalt des letzteren an
harb- und Gerbstoff besteht, so kann man wohl annehinen, dass durch
einen dieser Stoffe, wahrscheinlich durch den Gerbstoff oder durch beide,
das Bitterwerden bedingt wird.
Nach Pasteur sind es kleine Pflänzchen, die diese Krankheit ver
ursachen. Es wird daher empfohlen, den Wein auf 60 bis 64° zu
erhitzen, um die Pflänzchen zu zerstören und so das Eintreten oder das
Fortschreiten des Bitterwerdens zu verhüten.
Das einzige Mittel, das bis jetzt mit Erfolg angewandt wurde, bit
teren Wein wieder gut zu machen, besteht darin, denselben auf schwach
ausgepresste Trester von schwarzen Trauben zu giessen oder ihn mit
Traubenmost zu mischen und der Gährung zu überlassen. Es sind mir
mehrere Versuche bekannt, wo dies Verfahren sich sehr bewährt haben
soll. Ich selbst habe hierüber noch keine Versuche ausgeführt.
Bei mehrmaligem Ablassen soll bitterer Rothwein einen fast schwar
zen Satz bilden, hierbei viel von seiner Farbe, aber auch den bitteren
Geschmack verlieren.
VII. Haltbarmaclien der Weine durch Hitze.
(Pasteurisiren des Weines.)
Wir haben bis jetzt gesehen, dass die Krankheiten und das Ver
derben des Weines durch kleine organisirte Wesen und durch Einwir-
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