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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Die Bereitung des Weines. 
Wenn man auch den Anforderungen jener Consumenten Bechnung 
tragen will, die lieber mehr zahlen, aber reine, das heisst nur aus 
Traubensaft dargestellte Weine verlangen, und wenn man es auch als 
ganz erklärlich und keineswegs ungerechtfertigt findet, dass die Wein 
producenten, welche nur reinen Wein verkaufen, Schutz gegen jene 
Concurrenten verlangen, die durch Darstellung künstlicher oder durch 
Verbessern geringer Weine billiger produciren und diese Weine als 
reine verkaufen, so ist es doch unmöglich eine scharfe Grenzlinie zu 
ziehen, wo im Weinhandel die Ehrlichkeit aufhört und der Betrug be 
ginnt. Manche setzen ohne alles Bedenken schweflige Säure, oft im 
Uebermaass, Gerbstoff, Hausenblase oder Leim oder Weingeist zu, oder 
verkaufen den Wein eines Jahrgangs oder einer Gegend für Wein eines 
anderen Jahrgangs oder einer anderen Gegend, oder verbessern einen 
kranken Wein und bieten ihn als gesunden Wein an, obschon sie nicht 
wissen, ob der Wein nicht in kurzer Zeit wieder krank wird, sie ver 
langen aber von Anderen, dass jeder Zusatz zum Traubensaft beim Ver 
kauf des Weines angegeben werde und erklären alle jene für Betrüger, 
die aus einem geringeren Wein einen besseren darstellen und ihn als 
sogenannten Natur wein verkaufen. 
Nach dem, was wir von dem Weinhandel wissen, sind alle Ver 
sicherungen, es werde nur ausschliesslich aus Traubensaft daigestellter 
Wein verkauft, mit Vorsicht aufzunehmen, ob diese Versicherungen auch 
von Einzelnen oder von Vereinen gegeben werden. 
Je mehr es gelingt auch chemisch nachzuweisen, ob und wie weit 
ein gegebener Wein dem nur aus Traubensaft gewonnenen Wein gleicht, 
um so ehrlicher wird der Weinhandel werden, um so mehr wird man 
aber auch jenes Misstrauen fallen lassen, das die Consumenten heute 
noch gegen jeden Zusatz zum Most oder Wein hegen und zu dem sie 
insofern ganz berechtigt sind, als sie meist selbst den W ein nicht genü 
gend beurtheilen können und oft Weine in den Handel gebracht wer 
den, die den Namen „Wein“ nicht mehr verdienen. 
Nicht selten werden aber auch gerade jene Weine, die nur aus 
Traubensaft dargestellt wurden, aus Unkenntniss der Sache für unechte 
erklärt, z. B. sehr saure Weine; in Gegenden, wo das Braunwerden des 
Weines nur sehr selten vorkommt, hält man einen Wein immer füi ver 
fälscht, wenn der weisse Wein braun wird oder der rothe Wein starken 
Absatz bildet und sich entfärbt; wird der Wein beim Transport oder 
wenn er der Kälte ausgesetzt wurde stark trübe, so gilt das wieder als 
Beweis der Verfälschung, und doch ist es ganz klar, dass, wei mit 
Sachkenntniss Weine fabricirt, gewiss nicht zu viel Säure oder braun 
werdende Stoffe verwendet, während all diese Erscheinungen bei dem 
Wein rein aus Traubensaft Vorkommen können. Es kamen mir schon 
wiederholt Fälle vor, wo viele Leute, selbst Wirthe und Weinhändler,
	        
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