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Gruppe III. Chemische Industrie.
einen Wein als unecht erklärten, weil er braun und trübe wurde und
seinen Geschmack änderte.
Im Jahr 1427 x ) wurden zu Köln Weinhändler an den Pranger
gestellt und mit Ruthen aus der Stadt gepeitscht, weil sie Farbe und
Geschmack des Weines änderten. Ich bin geneigt anzunehmen, dass
dort ein ähnlicher Fall vorlag.
Die Anwendung eines Eies, um die Verfälschung zu erkennen, habe
ich beim Schwarzwerden des Weines besprochen.
Einige chemische Anhaltspunkte zur ßeurtheilung der Weine will
ich hier anführen :
Bei der Fabrikation von Wein wird gewöhnlich als Säure Weinsäure,
oder Citronensäure, oder ein Auszug von Tamarinden, die Citronensäure
enthalten, angewandt. Da nun nach meinen Untersuchungen 2 )
die Weine keine oder nur wenig freie Weinsäure und keine Citronensäure
enthalten, so lässt sich aus dem Nachweis von viel freier Weinsäure
mit Wahrscheinlichkeit, von Citronensäure mit Sicherheit schliessen,
dass der Wein ganz oder theilweise aus anderen Stoffen als Traubensaft
bereitet wurde. Die freie Weinsäure im Wein nachzuweisen
gelingt am besten in der Weise, dass man den Wein durch Schütteln
mit fein zerriebenem Weinstein mit diesem sättigt und dem Filtrat essigsaures
Kali zusetzt. Bei Vorhandensein von freier Weinsäure entsteht
ein Niederschlag. Bei den meisten reinen Weinen entsteht dagegen
ein Niederschlag, wenn man statt des essigsauren Kalis Weinsäure zusetzt;
ein Beweis, dass noch an andere Säuren gebundenes Kali vorhanden
ist. Zum Nachweis von Citronensäure wird der Wein mit Kalk
in Ueberschuss versetzt, das Filtrat mit Essigsäure angesäuert, zum
Ausfällen der Schwefelsäure Chlorbarium zugesetzt und das Filtrat mit
Ammoniak alkalisch gemacht; bei Anwesenheit von Citronensäure entsteht
hierbei (wenn ein Ueberschuss von Chlorbarium zugesetzt wurde)
oder nach Zusatz von Barytwasser ein Niederschlag.
Der Gehalt an Trockensubstanz giebt oft auch Anhaltspunkte, zu
beurtheilen, ob bei einem Wein mehr oder weniger Zusätze gemacht
wurden. W eitaus die meisten nicht süssen Weine enthalten P6 bis
2'2 p. C. 3) Extractivstoffe; findet man in einem Wein erheblich weniger,
so weist dies darauf hin, dass entweder Zuckerwasser zum Most oder
Weingeist und Wasser zum Wein verwendet wurde.
Statt der Bestimmung der Trockensubstanz kann, wie es bei Bier
gewöhnlich geschieht, der Weingeist verdunsten und der Rückstand wieder
auf das ursprüngliche Volumen verdünnt werden. Bei reinem Wein
) Mittheilungen aus der Geschichte des Weinbaues am Ehein, an der
Mosel und der Nahe. Mannheim 1826, 13. 2) Nessler, Woehenbl. d
andw. Vereins m Baden 1874, Nro. 27. 3) Eüle Zusammenstellung sämmtlicher
Bestimmungen der Gehalte an Zucker, Alkohol, Säure und Extractivstoften
hat E. Wagemann in den Ann. d. Oenol. III, 135 gegeben