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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Die Bereitung des Weines. 329 
beträgt das Yolumgewicht dieser Flüssigkeit gewöhnlich 1'007 bis 
1'008 und darf nicht unter 1‘005 betragen. 
Bei den braunen Weinen kann man den braunen Farbstoff echter 
Weine von dem Caramel, mit welchem die künstlichen Malaga u. s. w. 
gefärbt sind, dadurch unterscheiden, dass ersterer durch Eiweiss gefällt 
wird, letzterer nicht 3 ). 
IX. Bereitung von Schaumweinen. 
Die Bereitung moussirender Getränke ist ohne Zweifel schon sehr 
alt und an und für sich ausserordentlich einfach. Jeder Wein, der 
vor Beendigung der Gährung in Flaschen gefüllt und gut verkorkt wird, 
setzt die Gährung in diesen fort und wird Schaumwein, weil die sich 
bildende Kohlensäure im Wein bleibt und erst entweicht, wenn die 
Flasche geöffnet wird. Weine, die nicht sehr reich sind an Weingeist, 
sind hierbei allerdings Krankheiten, besonders dem Zähwerden, ausge 
setzt. Solche ganz in ursprünglichsterWeise dargestellte Schaumweine 
findet man besonders in Italien (Asti) und der Schweiz (Tessin). Mous 
sirender Obstwein ist in Frankreich unter dem Namen Cidre de Nor 
mandie bekannt. 
Nach Beendigung der Gährung ist jeder Wein mit Kohlensäure 
gesättigt. Durch wiederholtes Ablassen wird letztere bei weitaus den 
meisten Weinen so weit entfernt, dass beim Ablassen des Weines aus 
einem Fass oder beim Ausgiessen ans einer Flasche keine Blasen mehr 
entstehen und der Geschmack der Kohlensäure nicht mehr bemerkbar 
ist. In der Moselgegend fand ich wiederholt ganz helle Flaschenweine, 
welche noch sehr reich waren an Kohlensäure und den Uebergang bil 
deten zwischen stillem Wein und Schaumwein. Offenbar verwendet 
man dort besondere Aufmerksamkeit auf das Ablassen des Weines, um 
die Kohlensäure in diesem zurückzuhalten, während man sonst absicht 
lich die Kohlensäure entfernt. 
Wenn ich gesagt habe, die Darstellung von Schaumweinen sei sehr 
einfach, so ist das nur richtig, so lange man nicht die Anforderungen 
an sie stellt, die heute an den Schaumwein des Handels gestellt werden. 
Der Wein muss klar sein, er muss einen harmonischen Geschmack ha 
ben, das heisst weder die Säure, noch der Zucker, noch der Weingeist 
dürfen störend hervortreten; endlich sollen die Kohlensäureblasen nicht 
J ) Nessler, Behandl. d. Weines 130. 2 ) Seit dem Druck obiger Zeilen 
sind noch betreffende Untersuchungen ausgeführt worden und verweise ich 
für das Erkennen der mit Traubenzucker versetzten Weine auf: Neubauer, 
Fresenius’ Zeitschrift, XV. Jahrgang, 2. Heft, und für das Erkennen fremder 
Farbstoffe im Rothwein auf: Nessler, Weinlaube 1876, No. 6. und Annalen 
der Oenologie, 5. Bd. 4. Heft.
	        
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