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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Die Bereitung des Weines. 
Da dieser junge Wein nicht genügend Zucker enthält, um die nö- 
thige Kohlensäure zu erzeugen, so wird jetzt der aus Zucker, Weingeist 
und Wasser bestehende sogenannte Liqueur zugesetzt. 
Nachdem die Flaschen verkorkt und zugebunden sind, werden sie 
so gestellt, dass sich die entstehende Hefe am Kork ansammelt, was durch 
regelmässiges oft wiederholtes Bewegen der Flasche befördert wird. 
Nach einiger Zeit wird die Flasche geöffnet und durch das sogenannte 
Ausspritzen die Hefe entfernt. Die Flasche wird jetzt wieder mit Wein 
und Liqueur gefüllt zugebunden. 
In jeder Fabrik macht man andere Zusätze zum Liqueur, die 
meist Geheimniss der Fabrik sind und dem Wein Wohlgeschmack erthei- 
len sollen. 
Ein wesentlicher Verlust entstand früher dadurch, dass sehr viele 
oft bis 20 p. 0. der Flaschen zersprungen sind. Durch bessere Flaschen 
und besonders dadurch, dass man gelernt hat den Zucker im Wein zu 
bestimmen und zu berechnen 'j, wie viel davon im ersten Liqueur zu 
gesetzt werden darf, ohne zu viel Kohlensäure also einen zu grossen 
Druck entstehen zu lassen, haben es manche Fabriken so weit gebracht, 
dass nur etwa 4 p. C. Flaschen zerspringen. 
Nicht selten wird es nöthig, dem Wein mit dem letzten Liqueur 
etwas Säure zuzusetzen. W'ird hierzu Weinsäure verwendet, so kommt 
es vor, dass der Wein in den Flaschen trüb wird. Wenn wir uns daran 
erinnern, dass im Wein gewöhnlich noch an andere Säure als Weinsäure 
gebundenes Kali vorhanden ist und in Folge dessen durch Zusatz von 
Weinsäure Weinstein abgeschieden wird, so lässt sich dieses den Schaum 
weinfabrikanten oft sehr belästigende Trübwerden des Weines leicht 
erklären. Das Mittel demselben vorzubeugen wird darin bestehen, ent 
weder eine andere Säure (Citronen- oder Aepfelsäure) anzuwenden oder 
aber die kleine Menge Kali schon aus dem ursprünglichen Wein durch 
Zusatz von etwas weinsaurem Natron zu entfernen. 
Es liegt sehr nahe, statt des umständlichen und kostspieligen Ver 
fahrens, das oben angegeben wurde, die Kohlensäure in den fertigen 
Wein einzupumpen, in gleicher Weise, wie es bei der Bereitung der 
künstlichen Gaswasser geschieht. Es wurden denn auch schon vielfach 
Versuche in dieser Richtung ausgeführt und wird ziemlich viel Schaum 
wein so dargestellt, doch gelang es bis jetzt nicht, einen ebenso 
guten Wein zu erzeugen, als nach der ursprünglichen Methode der 
Schaumweinbereitung. 
J ) Siehe hierüber Muspratt’s Chemie, bearbeitet von Stohmann, 
fortgesetzt von D. Kerl 1187.
	        
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