MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

332 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
X. Fruchtweine und Meth, 
Eine grosse Reihe pflanzlicher Stoffe, welche Zucker oder Stärke 
mehl enthalten , können zur Bereitung von weinähnlichen Getränken 
verwendet werden. Bei der Ausstellung in Wien fanden sich Weine 
vor aus Orangen, Ananas, Feigen, Johannis-, Stachel-, Heidel- und Erd 
beeren, aus Aepfeln, Birnen und aus Zuckerrohr. Von Japan war ein 
weinähnliches Getränk aus Reis ausgestellt. 
In allen diesen Weinen treten als wesentlichste Bestandtheile der 
Weingeist und die Säure auf, ersterer entsteht aus Zucker, letztere ist 
theilweise in den Pflanzenstoffen enthalten, entsteht aber je nach der 
Behandlungsweise bald in grösserer bald in kleinerer Menge bei und 
nach der Gährung. 
Von allen Früchten , welche zur Bereitung von Fruchtweinen ver 
wendet werden, liefert keine einzige einen Saft, der für sich allein zur 
Bereitung von Wein so geeignet wäre wie der Saft der Trauben. 
Die Aepfel und Birnen werden bekanntlich in sehr grosser Menge 
zu Obstwein verwendet. Da sie aber gewöhnlich nur 7 bis 9 p. C. 
Zucker enthalten, so entstehen bei der Gährung des Mostes nur ID/i, bis 
5 Vol.-Proc. Weingeist. Dieser Weingeistgehalt ist zu niedrig, um die 
Haltbarkeit des Obstweines zu sichern, um so mehr, als bei der Ver- 
gährung von so wenig Zucker wenig Hefe ausgeschieden wurde, also 
viel stickstoffhaltige Bestandtheile Zurückbleiben, welche zum Verderben 
des Obstweines Veranlassung geben können. Um ihn stärker zu machen, 
wird entweder vor der Gährung Zucker oder zu irgend einer Zeit Wein 
geist zugesetzt. Im ersteren Fall werden durch stärkere Hefebildung 
mehr stickstoffhaltige Bestandtheile abgeschieden und es bilden sich bei 
der Gährung mehr Stoffe, welche den Wohlgeschmack des Getränkes 
erhöhen. Der Wein wird also hier zugleich besser und haltbarer. Ein 
Zusatz von 2 Kg Zucker zu 1 Hl Most erhöht den Weingeistgehalt um 
etwa 1 p. C. und trägt wesentlich zur Verbesserung des Obstweines bei. 
Bei den vergohrenen Getränken, welche nur wenig Weingeist ent 
halten, ist häufig ein gewisser Gehalt an Kohlensäure nothwendig oder 
doch erwünscht, um das Getränk erfrischender zu machen. Es ist dies 
auch bei dem Obstwein der Fall. Nicht selten wird nun durch das 
Streben, dem Obstwein Kohlensäure zu erhalten, der Grund zum Verder 
ben des Mostes gelegt. Die Praktiker haben schon längst heraus 
gefunden, dass durch das Ablassen des Obstweines dieser schlechter wird, 
das heisst ein Theil der Kohlensäure geht verloren; deshalb hat sich 
die Ansicht in den meisten Obstweingegenden verbreitet, dass man die 
sen Wein nicht von der Hefe ablassen dürfe. Wir wissen aber, dass 
die Hefe selbst in Traubenwein, der 8 bis 10 p. C. Weingeist enthält,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.