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Gruppe III. Chemische Industrie.
X. Fruchtweine und Meth,
Eine grosse Reihe pflanzlicher Stoffe, welche Zucker oder Stärke
mehl enthalten , können zur Bereitung von weinähnlichen Getränken
verwendet werden. Bei der Ausstellung in Wien fanden sich Weine
vor aus Orangen, Ananas, Feigen, Johannis-, Stachel-, Heidel- und Erd
beeren, aus Aepfeln, Birnen und aus Zuckerrohr. Von Japan war ein
weinähnliches Getränk aus Reis ausgestellt.
In allen diesen Weinen treten als wesentlichste Bestandtheile der
Weingeist und die Säure auf, ersterer entsteht aus Zucker, letztere ist
theilweise in den Pflanzenstoffen enthalten, entsteht aber je nach der
Behandlungsweise bald in grösserer bald in kleinerer Menge bei und
nach der Gährung.
Von allen Früchten , welche zur Bereitung von Fruchtweinen ver
wendet werden, liefert keine einzige einen Saft, der für sich allein zur
Bereitung von Wein so geeignet wäre wie der Saft der Trauben.
Die Aepfel und Birnen werden bekanntlich in sehr grosser Menge
zu Obstwein verwendet. Da sie aber gewöhnlich nur 7 bis 9 p. C.
Zucker enthalten, so entstehen bei der Gährung des Mostes nur ID/i, bis
5 Vol.-Proc. Weingeist. Dieser Weingeistgehalt ist zu niedrig, um die
Haltbarkeit des Obstweines zu sichern, um so mehr, als bei der Ver-
gährung von so wenig Zucker wenig Hefe ausgeschieden wurde, also
viel stickstoffhaltige Bestandtheile Zurückbleiben, welche zum Verderben
des Obstweines Veranlassung geben können. Um ihn stärker zu machen,
wird entweder vor der Gährung Zucker oder zu irgend einer Zeit Wein
geist zugesetzt. Im ersteren Fall werden durch stärkere Hefebildung
mehr stickstoffhaltige Bestandtheile abgeschieden und es bilden sich bei
der Gährung mehr Stoffe, welche den Wohlgeschmack des Getränkes
erhöhen. Der Wein wird also hier zugleich besser und haltbarer. Ein
Zusatz von 2 Kg Zucker zu 1 Hl Most erhöht den Weingeistgehalt um
etwa 1 p. C. und trägt wesentlich zur Verbesserung des Obstweines bei.
Bei den vergohrenen Getränken, welche nur wenig Weingeist ent
halten, ist häufig ein gewisser Gehalt an Kohlensäure nothwendig oder
doch erwünscht, um das Getränk erfrischender zu machen. Es ist dies
auch bei dem Obstwein der Fall. Nicht selten wird nun durch das
Streben, dem Obstwein Kohlensäure zu erhalten, der Grund zum Verder
ben des Mostes gelegt. Die Praktiker haben schon längst heraus
gefunden, dass durch das Ablassen des Obstweines dieser schlechter wird,
das heisst ein Theil der Kohlensäure geht verloren; deshalb hat sich
die Ansicht in den meisten Obstweingegenden verbreitet, dass man die
sen Wein nicht von der Hefe ablassen dürfe. Wir wissen aber, dass
die Hefe selbst in Traubenwein, der 8 bis 10 p. C. Weingeist enthält,