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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

mir in engen Grenzen schwankt und in richtig gekeimtem Zustande 
am kräftigsten die Stärke in Zucker uberzuführen im Stande ist. Am 
liebsten verwendet man die zweizeilige Sommergerste (Hordeum disti- 
chori), deren Samen grösser und schwerer sind als diejenigen der an 
deren Arten. Sie giebt z. B. dem Volumen nach mehr Bier als die 
sechszeilige, sehr häufig in England zur Brauerei benutzte Gerste. Ausser 
diesen Gerstenarten wird auch in Norddeutschland hier und dort die vier 
zeilige Gerste oder kleine Gerste (Hordeum vulgare) verbraut, welche vor 
anderen Gerstensorten den Vorzug schnelleren Wachsthums hat. Von 
einer zum Bierbrauen bestimmten Gerste wird verlangt: dass sie an 
den Enden eine lichtgelbe Farbe zeige, von gleichem Korn, gleich reif, 
hart, feinhülsig und schwer von Gewicht sei. Da dieselbe mit dem 
Alter die Keimkraft verliert, so soll sie nicht älter als ein Jahr sein. 
Eine schwere Gerste wird desshalb gewählt, da ihr Gewicht mit dem 
Stärkegehalt Hand in Hand geht. Das Gewicht derselben bestimmt 
man entweder mit der Gerstenwage (Kornwage), oder indem man 
direct ein Hectoliter Gerste wiegt. Die Gerstenwage besteht aus 
einem gewöhnlichen Wagbalken, auf dessen einer Seite eine Wag 
schale zum Auflegen der Gewichte angebracht ist, während auf der an 
deren Seite ein Blechgefäss sich befindet, welches leer den öOOsten oder 
lOOOsten Theil eines Hectoliters hält. Dieses lässt man nun mittelst eines 
zweiten Gefässes, welches unbedeutend grösser ist und unten eine kleine 
Oeffnung hat, behutsam voll laufen, streicht dann jenes richtig ab und 
hängt es an den Balken zum Abwägen. Die Gewichtstheile werden in 
derselben Weise zum Centner reducirt wie das Maass zum Hectoliter. 
Habich 1 ) hat vorgeschlagen, das Volumgewicht der Gerste mit einer 
Chlorcalciumlösung zu bestimmen. Zu diesem Zwecke legt man die 
Gerste in eine solche Lösung von circa 50° Beauine und setzt so lange 
Wasser unter Umrühren hinzu, bis die Körner anfangen auf den Boden 
zu sinken, zum grössten Theil aber noch in der Flüssigkeit schweben; 
hierauf bestimmt man mit einem Aräometer das Volumgewicht der 
Chlorcalciumlösung. Nach von Habich mit Gerstensorten gemachten 
Bestimmungen zeigen sich folgende Resultate: 
Zweizeilige Gerste (Hordeum äistichon) schwimmt in einer Lösung 
von 33 bis 37° B., 
vierzeilige Gerste (Hordeum vulgare) schwimmt in einer Lösung 
von 30 bis. 34° B., 
sechszeilige Gerste (Hordeum liexastichori) schwimmt in einer Lösung 
von 27 bis 31° B., 
Himalayagerste schwimmt in einer Lösung von 38 bis 40° B. 
Habich, Schule der Bierbrauerei 91.
	        
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