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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
stört, so geht die Oxydation bei ungehemmtem Luftzutritt schneller 
und energischer vor sich und begünstigt die Baldnansaurebildung. 
Die chemischen Bestandtheile des Lupulins sind ziemlich zahlreich. 
Es finden sich darin ausser dem ätherischen Oel eine in Wasser unlös 
liche in alkoholischer Lösung äusserst bitter schmeckende , in reinem 
Zustande farblose krystallisirbare Substanz, dann wachsahnlicke Ma 
terien, und aus dem krystallinischen Körper durch Oxydation entstan 
dene harzartige Substanzen, ausserdem ein eigenthümhcher gelber 
Farbstoff'. Weiter findet man unter den Bestandteilen des Hopfens 
Gerbsäure, Gummi u. s. w. aufgeführt. Auch geringe Mengen Zucker 
und Bernsteinsäure sind im Lupulin enthalten. 
Für den Brauer hat die erwähnte krystallinische' Substanz das 
nächste Interesse. Dieselbe ist im Jahre 1862 von Lermer im Rei- 
schauer’schen Laboratorium zu München isolirt und mit dem Namen: 
Lupulopikrin oder Hopfenbittersäure belegt worden 1 )- öie 
stellt ein mit ausserordentlicher Krystallisationsfähigkeit begabtes, che 
misch selbständiges Einzelglied dar, indem sie in zolllangen, sehr voll 
ständig ausgebildeten Prismen erhalten werden kann. Diese Krystaile 
zeichnen sich durch eine grosse Sprödigkeit aus, verharzen aber an 
der Luft leicht. Wegen ihrer Unlöslichkeit im Wasser zeigen sie au 
die Zunge gebracht keinen Geschmack, löst man sie aber in Weingeist 
und verdünnt mit Wasser, so tritt ihr bitterer Geschmack intensiv 
hervor und man erkennt leicht die Identität desselben mit demjenigen 
des gehopften Bieres. Lermer hat übrigens die Hopfenbittersäure auch 
direct aus dem Biere in Krystallen abgeschieden. Die Menge derselben 
darin ist, wie leicht begreiflich, ausserordentlich gering. In Alkohol, 
Aether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Benzol, Terpentinöl etc. ist 
die Hopfenbittersäure äusserst leicht löslich. Die ätherische und alko 
holische Lösung zeigen auf Lackmuspapier eine deutlich saure Reaction, 
weshalb sie, wie ausserdem wegen ihrer Verbindung mit Kupferoxyd zu 
einem woklkrystallisirten Salze, auch den Namen Hopfenbittersäure 
erhält. Die Zusammensetzung des Kupfersalzes fand Lermer zu 
* Cu 0, C 32 55o O7 (?), worin sich eine gewisse Verwandtschaft zu anderen 
Bitterstoffen, z. B. aus dem Wermuth und der Jalappinolsäure, andeutet, 
welche Substanzen dieselbe Anzahl Kohlenstoffäquivalente enthalten. 
Hopfenöl. Dasselbe wurde schon von Gehlen aus dem Hopfen 
dargestellt. Es ist sehr leicht zu gewinnen, wenn man frischen Hopfen 
mit Wasser destillirt oder von Dampf durchströmen lässt. Auf dein 
Destillate scheidet es sich als fast farblose gelbliche Oelschicht a • 
Man erhält aus gutem Hopfen zwischen 0‘2 bis 0'8 p. C. desselben. 
Personne betrachtet das Hopfenöl, ähnlich wie das Valerianöl, als aus 
Lermer, Dingl. pol. J. CLXIX, S. 54.
	        
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