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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
welche diese Methode verfolgen, verwenden nur wenige Tage auf das 
Keimen und lassen die Temperatur bis auf 20 bis 25° C. gehen (das 
sogenannte Arbeiten auf warmen Schweiss). 
Führt man die Haufen niedriger, so entwickelt sich mehr der Blatt- 
keim als der Wurzelkeim, verzögert sich aber auch die Vollendung des 
Malzprocesses. In England braucht man bis zu 14 Tagen dazu, in 
Schottland noch mehr (Arbeiten im kalten Schweiss). 
Für die Qualität des zu erzeugenden Bieres ist die langsamere 
Mälzerei von wesentlichem Einfluss und hat daher von den intelligen 
teren Brauern Nachahmung gefunden. Das Wiener Bier hat seine Vor 
züge besonders auch der Herstellung eines Maises mit sehr entwickel 
tem Blattkeime zu verdanken; denn soviel steht fest: dass eine lang 
sam gewachsene Gerste ein kräftigeres Malz, oder genauer gesagt, ein 
Malz mit grösserem Gehalt an löslichen Stoffen liefert, als ein schnell 
gewachsenes. 
Nach John gaben an Wasser ab 100 Gewichtstheile: 
Gerste langsam gewachs. Malz schnell gew. Malz 
2'63 6-22 5'12 p.C. 1 ). 
Die langsame Mälzerei setzt natürlich auch das Vorhandensein 
von grösseren Tennenflächen voraus; bei gleicher Beethöhe am Ende 
des Mälzens erfordert die 14tägige Mälzung zweimal mehr Tennen 
fläche, als die 7tägige. Wir finden daher auch in den modernen Braue 
reien riesige Tennenflächen, welche gewöhnlich unterirdisch angelegt 
sind, was auch deshalb geschieht, um den Tennenraum von der äusse 
ren Temperatur möglichst unabhängig zu machen. Diese Tennen sind 
in der Regel gewölbt und gestützt auf Pfeiler von den geringsten zu 
lässigen Dimensionen. Am zweckmässigsten erweisen sich eiserne 
Pfeiler. Die Profilhöhe der Decke beträgt gewöhnlich 3‘1 bis 3'8 Meter. 
Als Bodenbeleg finden hauptsächlich Steinplatten (Solenhofer), Cement- 
pflaster (Beton) und hartgebrannte Ziegel Anwendung. Gewöhnliche 
Ziegel werden verworfen, weil sie die Feuchtigkeit des Malzes zu sehr 
aufsaugen. Die Asphaltpflasterung für Tennen hat sich in einigen 
Brauereien von Norddeutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark be 
währt, in Süddeutschland aber nicht; die Ursache mag in der Qualität 
des Asphalts, der Art der Bearbeitung und in den klimatischen Ver 
hältnissen liegen. 
Zur Ableitung des Spülwassers sind im Fussboden Canäle ange 
legt. Diese Canäle dürfen jedoch nie unter der Tenne fortgeführt wer 
den, sondern sind stets in unmittelbarer Nähe der Umfassungsmauer 
anzubringen. Damit beim Abfliessen des Spülwassers nicht kalte Luft 
0 John, s. Bayr. Bierbrauer, 4. Jahrgang, Beiträge zur Kenntniss des 
Malzprocesses.
	        
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