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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Da Grünmalz 45 und Schwelkmalz nur 14 p. C. Feuchtigkeit 
enthält, so erheischt allerdings das Darren von Grünmalz, gegen 
über dem Darren von Schwelkmalz, einen bedeutend grösseren Brenn 
materialaufwand, und es würde somit durch Anwendung der Schwelke, 
wo die Luft zum grössten Theil das Trocknen besorgt, bedeutend an 
Brennmaterial erspart werden. 
Die Anlage der Schwelke erfordert dafür eine nicht unbedeutende 
bauliche Einrichtung, sowie mehr Arbeitskräfte, welche Kosten gegen 
seitig berechnet und abgewogen die Brennmaterialersparnisse beinahe 
ausgieichen. Wir sehen daher auch in grösseren Brauereien, wie be 
reits erwähnt, die Schwelkböden nicht mehr benirtzt und das Grünmalz 
gleich auf die Darren bringen. 
Die Operation des Malzdarrens besorgt bekanntlich zunächst die 
möglichst vollständige Entfernung des Wassers aus dem Malze, aber 
auch das Darren des Kornes oder die Erzeugung von Stoffen, welche 
das daraus dargestellte Getränk namentlich haltbarer, dann aber auch 
wohlschmeckender und gehaltvoller machen. Beide Operationen müsseil 
von einander geschieden werden und die Austrocknung des Malzes 
vollendet sein, bevor das eigentliche Darren beginnt. Geschehen beide 
Vorgänge gleichzeitig, so entsteht überhaupt kein zum Bierbrauen ge 
eignetes Malz mehr. Ist bei einem grösseren Feuchtigkeitsgehalt des 
Malzes die Wärme zu hoch, so bildet sich durch Verkleisterung und 
unter Zerstörung der Diastase sogenanntes Stein- oder Glasmalz. Un 
terhalb dieses Maximums liegen aber unendlich viele Abstufungen und 
Combinationen in der Weise, wie lange man eine schwächere, dann 
gesteigerte Temperatur auf das Malz einwirken lässt, von dem jedesmal 
der besondere Charakter des Bieres bedingt wird und denen also eine ebenso 
grosse Anzahl verschiedener Biersorten entspricht. Je blasser das Bier 
ausfallen soll, um so niedriger ist im Allgemeinen die Temperatur bei 
der Erzeugung des Darrmalzes. Die Köstproducte sind verschieden 
je nach den Muttersubstanzen im Malze, von denen sie abstammen; 
die Protei'nsubstanzen erzeugen andere als Stärkemehl, Zucker u. s. w. 
Feuchtes Malz bräunt sich schon bei ziemlich niederer Temperatur 
(60° C.), indem die Eiweisskörper auf den Zucker einwirken. Ist die 
Feuchtigkeit zuvor bei niedriger Temperatur oder unter vermindertem 
Druck aus dem Malze entfernt, so verträgt dasselbe eine viel beträcht 
lichere Temperatur, ohne sich zu bräunen. Die färbenden Producte 
sind aber in beiden Fällen verschieden, in letzterem eigentliche Köst- 
producte, in ersterem nähern sie sich den Substanzen, die beim Ein 
dampfen eines jeden Pflanzensaftes, dessen Bräunung bedingend, ent 
stehen. Dass im feuchten Malze die Eiweisskörper bei plötzlich gestei 
gerter Temperatur coagulirtund unlöslich gemacht werden müssen, ist 
natürlich, bei allmäliger Steigerung der Wärme wird dagegen die
	        
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