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Gruppe III. Chemische Industrie.
Verbrennungsproducte des Heizmaterials nicht mehr mit Luft gemischt
durch das zu trocknende Malz streichen liess, sondern durch einen
Strom reiner erwärmter Luft zu darren suchte und zwar zunächst auf
durchlochten Blechplatten und einfachen Darren. Die Rauchmalzdarren
mit ihrem Creosotmalz sind vom Schauplatze so ziemlich verschwunden.
Man hat diese Art Darren in den letzten Jahren zwar in einem ver
besserten System ausgeführt, in welchem man nur Coke als Brenn
material benutzt; es hat sich aber herausgestellt, dass wenn der Coke
nicht gut entharzt ist, dem Malze und dann den daraus erzeugten
Bieren ein Beigeschmack anhaftet, der unangenehm ist.
Am verbreitetsten sind jetzt die sogenannten Luftdarren oder
Rohrdarren, welche anfangs nur mit horizontalem, gegenwärtig aber
auch mit verticalem Heizrohren System als sogenannte Cylinderdarren
construirt werden.
Was die Heizapparate anbelangt, so sind besonders drei als vor
herrschend zu bezeichnen, nämlich der von Grabbes verbesserte
Cylinder- oder Trommelapparat; der stehende Heizapparat mit den
dazu gehörigen Caloriferen, und endlich der liegende Heizapparat, der
in Verbindung steht mit den in der sogenannten Sau unter der Darr
fläche angebrachten liegenden Rauchrohren. Schliesslich besteht auch
eine Combination der beiden letztgenannten Apparate.
Alle jetzigen Darren sind sogenannte Doppeldarren, d. h. es sind
zwei Darrflächen übereinander angebracht. Auf der oberen wird das
Grünmalz ausgebreitet, während die untere mit dem schon ziemlich
trocknen Malze beschickt wird. Ist letzteres fertig gedarrt, so räumt
man es ab, das Malz der oberen Etage wird auf die untere geworfen,
oben wird wieder Grünmalz aufgegeben. Eine jede Doppeldarre be
steht somit aus vier von einander geschiedenen Räumen, nämlich: aus
dem Heizraume, der sogenannten „Sau“, der ersten und endlich der
zweiten Etage, welche in den sogenannten Dunstfang mündet. Im
Heizraume, dem untersten Theile der Darre, ist die Heizung sammt dem
dazu gehörigen Heizapparat und den Luftzuführungscanälen situirt,
und in der Sau soll die warme Luft gleichmässig unter der unteren
Darrfläche vertheilt resp. bei liegenden Röhren hier noch weiter er
wärmt werden.
Die einfache Darre erforderte sowohl von Seite des Mälzers als
Heizers grosse Aufmerksamkeit, denn nur schwer erkennt man den
Moment, wo die Hitze entsprechend gesteigert werden soll. Auch ist
man vom Schwelken abhängig, welches grosse und luftige Schwelk-
räume beansprucht. Die neue Doppelmalzdarre besonders mit stehen
dem Röhrensystem gestattet die Erzeugung eines sehr lichten Fabrikates
mit viel geringerem Brennstoffverbrauch und in viel kürzerer Zeit. Wäh
rend man früher 24 Stunden brauchte, kann man jetzt mit derselben
Malzmenge in 9 bis 10 Stunden mit Vor- und Nachdarren fertig