354 Gruppe III. Chemische Industrie.
absteigender Richtung, wodurch ein Heben, Wenden und Fallen des
Malzes ununterbrochen und in bestimmten Zeiträumen besorgt wird.
Diese Darren werden von der Maschinenfabrik Germania in Chemnitz
geliefert, erzeugen bei grosser Leistungsfähigkeit ein gutes Product
und gewähren Erspamiss an Handarbeit und Brennstoff. Das Darr-
system Kaden & Wittig beruht auf dem Principe der Dampfheizung
und hat daher den Vortheil, vollkommen feuersicher zu sein. Ein Ven
tilator treibt die Luft durch Röhren, welche einen mit Dampf gefüll
ten Kessel durchschneiden und presst dieselbe durch acht in Entfer
nungen von circa 0‘5 m übereinanderliegende Darrhorden. Das Grün-
malz wird durch eine Vorrichtung auf die oberste Horde gebracht und
fällt von dieser nach und nach bis auf die unterste. Die Förderung
von einer Horde zur anderen geschieht durch Schaufeln, die durch eine
stehende Welle in der Mitte der Horden in Bewegung gesetzt werden.
Sowohl dieses System als das Overbeck’sche findet man im Be
trieb mehrerer Dortmunder Brauereien.
Eine bedeutende Zukunft hat das Gecmen’sehe System. Derselbe
construirte früher die sogenannte Jalousiendarre, welche er als Schüssel
oder Rinnendarre verbesserte. Solche Jalousiendarren arbeiten seit
Jahren in mehreren der Fürst! Schwarzenbergischen Brauereien in Böh
men zur Zufriedenheit J ). G e c m en benutzt nun das Princip dieser Darren
auch als Keimapparat und ist ein solcher mechanischer Darr- und Keim
apparat bereits mit Erfolg bei Jacob Zboril & Co. in Simmering seit
Jahr und Tag in Thätigkeit, auf dessen Beschreibung näher eingegan
gen werden soll.
In einem geschlossenen Raume von quadratischem oder recht
eckigem Umrisse befinden sich, etagenartig über einander geordnet,
neben einander liegende, bewegliche, rinnenförmige Trocken- und Keim
fächer, welche durch einen Mechanismus derartig in Bewegung gesetzt
resp. umgekippt werden können, dass das in den einzelnen Fächern
einer Etage befindliche Trocken-, Darr- oder Keimgut in die nächst
tieferliegende Etage übergestürzt wird. Da sämmtliche Etagenfächer
zu einander parallel liegen und um je eine Welle gedreht werden, welche
ihrer Längenachse parallel ist, so ist die Art der Manipulation leicht zu
begreifen. Es ist wohl selbstverständlich, dass sich die Fächer einer
und derselben Etage stets nach der der Umkipprichtung der oberen
Etage entgegengesetzten Seite umwenden, um stets sämmtliche Fächer
einer und derselben Etage gleichmässig gefüllt zu erhalten. Auf diese
Weise wird das Trocken-, Darr- oder Keimgut, welches in die oberen
Fächer eingefüllt wurde, durch successives Umkippen einer Fächeretage
nach der anderen nach und nach in die Fächer der untersten Etage
l) Die Fortschritte im Brauwesen auf den Fürstlich Schwarzenberg
sehen Gütern in Böhmen von Dr. J. Hanamann. Leitmeritz 1873.