Bier.
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V ergleicht man mit dem Dickmaischverfahren die Infusionsmethode,
so wird bei der letzteren sogar noch länger gekocht, denn die nach
der englischen Methode dargestellten Würzen werden zur Erzielung
einer vollständigen Ausscheidung des Eiweisses und Veränderungen der
übrigen Proteinkörper sechs und noch mehr Stunden gesotten. Rechnen
wir beim Bickmaischverfahren für den ersten, zweiten Bickmaisch und
Lautermaisch je eine halbe Stunde und für das Kochen der gezogenen
Würze 2 bis 2Y 2 Stunden , so ergiebt sich im Ganzen eine Kochdauer
von 3Vä bis 4 Stunden, somit ein nicht höherer Brennstoffaufwand als
für das englische Verfahren. Ein nicht zu unterschätzender Vortheil
besteht nämlich in den im Allgemeinen besser verzuckerten Nach-
würzen (Nachgüssen), als sie das englische Verfahren liefert, weshalb
in England ein Vorderbier und ein Bünnbier bereitet werden muss,
von denen das erstere durch Stärke und Haltbarkeit sich auszeichnet,
das letztere eine nur geringe Concentration (etwa 10 p. C. B.) x ) und
kürzere Haltbarkeit besitzt, selbst wenn dieselben auf dem Wege der
Untergährung bei sehr niedriger Temperatur wie die - zehnproceutigen
böhmischen Biere bereitet werden.
In Bezug auf die Vertheilung des Maischwassers hält die moderne
Brauerei das Verhältniss für das beste, wenn die Mischung zwischen
Wasser und Malz so genommen wird, dass durch einen möglichst
grossen Nachguss die Trebern vollständig ausgezogen werden können.
Sehr häufig findet man, dass zum Einmaischen und zum Anbrühen,
d. h. zur Vorderwürze, drei Viertel des ganzen Gusses an Wasser ge
nommen wird. An einzelnen Orten ist das Verhältniss der Vorder-
zur Nachwürze (Nachguss) sogar wie ein Drittel zu zwei Drittel. Die
gezogene Würze wird in die Planne gebracht und hier 2 bis 2
Stunden gekocht.
Die Art und Weise des Hopfenzusatzes ist sehr verschieden. In
den meisten Fällen wirft man ihn sogleich zur Würze in die Pfanne
und lässt ihn die ganze Zeit mitkochen, oder er wird der kochenden
Würze erst zugesetzt, wenn sich dieselbe hinreichend gebrochen hat,
auch giebt man ihn in Intervallen und zwar wie in Wien auf zwei
Portionen, die eine Hälfte nachdem die Vorderwürze sich in der
Pfanne befindet, die andere, wenn die Gesammtwürze Vi bis V» Stunde
gekocht hat; in Böhmen, wo man stark gehopfte aromatische Biere
liebt, wird er sogar in drei Theilen zugegeben und zwar der letzte
Theil oft nur angebrüht; auf einen Centner Malz rechnet man l 1 /^
bis 2 1 / 2 Pfund Hopfen.
Um die Extraction des Malzes, die Concentration der Würze und
ihre weiteren Veränderungen zu beobachten, benutzt man jetzt in allen
x ) B. = Balling.