MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

364 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
rationell geleiteten Brauereien nicht nur das Thermometer und Saccharo 
meter, sondern auch die alkalische Kupferlösung, Jodlösung u. s. w. 1 ). 
Am meisten verbreitet ist das Saccharometer von Balling. Die 
Würzen der untergährigen Biere variiren zwischen 10 bis IG Procent 
Balling und heissen: Abzug- oder Schenkbier 10 bis 12 p. C., Lagerbier 
12 bis 13 p. C., Märzenbier 14 bis 15 p. C. und Bockbier 16 p.C. 
Hier muss auch der Surrogatenbrauerei erwähnt werden, welche 
darin besteht, dass das Malz theilweise durch Reis, Mais, Stärke (Kar 
toffel-) und Zucker ersetzt wird. Bei Verwendung von Reismehl wird 
auf je 5 bis 7 Centner Malz ein Centner Reismehl genommen. Bedient 
man sich der gewöhnlichen Dickmaischmethode, so wird man am besten 
das zu verwendende Reismehl in zwei Hälften theilen, wovon die erste 
Hälfte, wenn der erste Dickmaisch auf 62° C. erwärmt ist, in denselben 
langsam eingerührt wird, während der Rest dem zweiten Dickmaisch 
bei der gleichen Temperatur zuzusetzen ist. Durch die Regulirung 
des Feuers wird diese Temperatur so lange erhalten, bis die Ver 
zuckerung erfolgt ist, wozu gewöhnlich 30 Minuten erforderlich sind. 
Nach dem Infusionsverfahren wird das Malzschrot mit 60 bis 65° C. 
warmem Wasser eingeteigt, hierauf das Reismehl unter tüchtigem Mai 
schen zugesetzt und durch Hinzufügung des noch fehlenden Antheils 
Wasser im kochenden Zustande die Maische auf 70 bis 75° C. gebracht. 
Nach ein bis zwei Stunden wird Würze abgeleitet und Nachguss 
gemacht etc. 
Diese Art Biere stehen in Betreff ihrer Haltbarkeit den reinen 
Malzbieren nicht nach, nur verlangen sie einen grösseren Hopfenzu 
satz, uugefahr 25 p. C. mehr als ein Centner Malz. 
Mais wird hauptsächlich in Amerika, aber auch in Ungarn ver 
wendet und hat sich um dessen Benutzung der verstorbene Brauerei 
verwalter Häcker in Ungarisch-Altenburg grosse Verdienste erworben. 
Gewöhnlich werden von der ganzen Schüttung zu einem Sud Bier zwei 
Drittel Gerstemalz und ein Drittel Mais genommen. Der feingemahlene 
Mais wird in einem besonderen Bottich eingemaischt und dann unter 
fortwährendem Aufmaischen die Temperatur auf 75 bis 87° C. durch 
Einleiten von Dampf erhöht. Ist diese Operation vorüber, so wird im 
eigentlichen Maischbottich das Malz eingeweicht, durch heisses Wasser 
auf 35° C. gebracht und die erste Dickmaische mit der vorbereiteten 
Maismaische in die Pfanne gegeben. Hierauf wird das gewöhnliche 
Dickmaischverfahren befolgt. Nach Häcker rentirt es sich, Mais zu 
verwenden, wenn derselbe nicht, oder nur um ein bis zwei Zehntel 
theuerer zu beziehen ist, als ein gleiches Maass braumässiger Gerste. 
Auch Kartoffelstärkemehl und Kartoffeln werden zur Fabrikation 
des Bieres verwendet und braut besonders Siemens in Hohenheim ein 
1 ) Siehe unten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.