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Gruppe III. Chemische Industrie.
Quantitative Bestimmung der Cellulose. In weitaus den
meisten Fällen kommt bei der technischen Verwerthung der Pflanzen
faser nur allein die in derselben enthaltene Zellenmembran im gebleich
ten Zustande als fast reine Cellulose zur schliesslichen Anwendung
und ist demnach für die Werthbestimmung eines gegebenen Faser
materials, abgesehen von der Form und den physikalischen Eigen
schaften der Faser selbst, die Menge der darin enthaltenen Cellulose
maassgebend.
Bis jetzt hat allerdings die Bestimmung der Cellulose für diesen
Zweck in der Technik noch kaum eine Verwendung gefunden, aber es
liegt auf der Hand, dass in der Zukunft hiervon Gebrauch gemacht
werden wird, besonders dann, wenn es sich darum bandelt, den Werth
neuer Fasermaterialien festzustellen oder sich genaue Rechenschaft
über das Resultat der Aufbereitungsprocesse zu geben, wie sie beson
ders bei der Darstellung der Papierfaser Vorkommen. Aber selbst bei
der Verarbeitung der rohen Textilfasern ist es gewiss von Werth, durch
Bestimmung der in derselben enthaltenen Cellulose und der Neben-
bestandtheile sich ein Urtheil über die theoretisch mögliche Ausbeute
zu verschaffen.
In der Agriculturchemie sind schon seit längerer Zeit Methoden
für die Bestimmung der Cellulose im Gebrauch und es verdient hier
besonders das von Franz Schulze eingeführte Verfahren erwähnt zu
werden. Nach der neuerdings von Henneberg 1 ) veröffentlichten
Notiz lässt sich dasselbe am besten in folgender Weise ausführen:
1 Gewichtsthl. (2 bis 4 g) des vorher im Mörser möglichst fein zer-
theilten, getrockneten Materials wird mit Wasser, dann mit Alkohol
und Aether ausgezogen und nachdem es wieder getrocknet 12 bis
14 Tage bei höchstens 15° C. mit s /lo Gewthln. chlorsaurem Kalium
und 12 Thln. Salpetersäure von 1'10 Vol.-Gew. im verstöpselten Glas
macerirt. Nach Ablauf dieser Zeit verdünnt man mit Wasser, filtrirt
und wäscht mit kaltem, dann mit heissem Wasser. Man spült
darauf den Inhalt des Filters in ein Becherglas und digerirt etwa s / 4
Stunden bei circa 60° mit schwacher Ammoniakflüssigkeit (1 Thl.
auf 50 Thle. Wasser). Die Masse wird dann mit kalter Ammoniak
flüssigkeit noch gewaschen, bis das Filtrat farblos läuft und hinterher
nacheinander mit kaltem und heissem Wasser, dann mit Alkohol und
Aether vollständig ausgefällt. Abgesehen von einem geringen Stick
stoffgehalt ist die so erhaltene Cellulose chemisch rein.
Die Ausführung einer beträchtlichen Anzahl von Cellulosebestim
mungen in sehr verschiedenartigen Pflanzenmaterialien gab dem Ver
fasser Gelegenheit, diese Methode einer eingehenden Prüfung zu unter
werfen und es hat sich dabei leider ergeben, dass die damit erhaltenen
1) Henneberg, Ann. Chem. Pharm. CXLVI, 130.