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Gruppe III. Chemische Industrie: /
Ausser dem Kochen über freiem Feuer wird auch wieder dem
Dampf kochen in der Brauerei das Wort geredet und besonders ist es
Jacobsen in Kopenhagen, der bereits seit mehr als sieben Jahren in
seiner Brauerei sowohl die Maischen als die Würzen ausschliesslich
durch indirecten Dampf kocht und sowohl rücksichtlich der Feinheit
und Vollmundigkeit, als auch der Haltbarkeit des Bieres die besten
Resultate erzielt. Die Vorzüge dieses Verfahrens sind: 1) dass kein
Anbrennen der Maische stattfinden kann, wodurch die Kessel eine fast
unbegrenzte Dauer erlangen; 2) dass das Heizen beginnen kann, sobald
die Würze in den Kessel läuft, wodurch diese augenblicklich dem Ein
fluss der Luft entzogen wird; 3) dass der Brauer, ohne seinen Platz
am Kessel zu verlassen und ohne Hilfe selbst das Heizen und Kochen
nach Belieben durch den Dampfhahn reguliren kann; 4) eine bedeu
tende Ersparung an Brennmaterial, weil dieses unter dem Dampfkessel
besser ausgenutzt werden kann; 5) grosse Sauberkeit im Verfahren
und im Sudhause.
Jacobsen bedient sich hermetisch geschlossener, schmiedeeiserner
Kessel in Form liegender Cylinder, in welchen der Ausgang des Dampfes
durch ein Sicherheitsventil so regulirt wird, dass das Kochen unter
einem kleinen Druck und bei einer Temperatur von 102 bis 103° C.
ausgeführt wird. Ein höherer Druck macht den Geschmack des Bieres
weniger fein.
Nicht nur der Maischekessel, sondern auch der Würzekessel ent
halten Rührapparate, die während des Siedens in eontinuirlicher Bewe
gung sind, wodurch eine gleichmässige Verbreitung der Hitze befördert
wird. Die untere Hälfte des Kessels ist mit einer Dampfumhüllung
umgeben, in welcher die Spannung gewöhnlich höchstens auf 10 Pfund
per Quadratzoll steigt, welche beim Sieden der Flüssigkeit bis auf
5 Pfund reducirt werden kann, jenackdem man stärkeres oder schwäche
res Kochen oder Verdunsten erzielt. In der That haben die Jacob
sen'sehen Biere auf der Ausstellung vollkommen entsprochen.
II olle freund hat seinen bekannten Malzverzuckerungsapparat
für Brennereien (vergl. II, 251 d. B.) auch für Brauereizwecke, beson
ders für Rohfruchtbrauerei, unter entsprechenden Veränderungen einzu
führen versucht, aber bisher ohne besonders günstige Resultate.
Da die günstigste Temperatur der Würze für untergährige Biere zwi
schen 4 und 10° liegt, so muss die heisse Würze bis zu dieser Temperatur
abgekühlt werden. Das Abkühlen geschieht meistens auf den sogenann
ten Kühlschiffen oder Kühlstöcken und erfolgt theilweise durch Ver
dampfung, theilweise aber auch durch Wärmeausstrahlung, weshalb die
selben an luftigen, freien, der Hauptwindrichtung ausgesetzten Orten in
einem Kühlhause aufgestellt werden. Die Kühlhäuser besitzen statt der
Fenster stellbare Jalousien aus Holz oder Eisen, auch ist das Dach des
Kühlhauses im I irst so durchbrochen, dass die Luftströmung und der