Bier. 369
Abzug der Dämpfe gefördert, aber der Regen abgehalten wird. Früher
wendete man allgemein hölzerne Kühlschiffe an, jetzt sind sie gewöhn
lich aus Eisenblech construirt. Gusseiserne Kühlschiffe sollen den
Temperaturweehsel nicht gut vertragen, ausserdem sind dieselben
schwer dicht zu erhalten, und verzinntes Kupferblech wird wegen seines
hohen Preises wenig mehr angewendet.
Die Abkühlung der Bierwürze auf den Kühlstöcken wird in man
chen Brauereien durch Anwendung von Windflügeln und Ventilatoren
zu befördern gesucht. Zweckmässiger als diese sind die jetzt sehr ver
breiteten besonderen Kühlvorrichtungen, in welchen die Würze durch
Eis oder kaltes Wasser auf die zur Gährung geeignete Temperatur
gebracht wird. Hierher gehören :
1. Kühlapparate. Die zuerst angewendeten Kühler waren sehr
unvollkommen, sie waren einfach blosse Copien der für Destil
lationsapparate verwendeten kupfernen Kühlschlangen.
Eine wesentliche Verbesserung bestand darin, dass die Anordnung
der Kühlröhren eine andere wurde, dieselben wurden horizontal in
Reihen zusammengefasst und je zwei mit bogenförmigen Verbindungs
röhren verbunden. Passirt die Würze eine Etage, z. B. die unterste,
so gelangt sie in die nächst höhere u. s. f. Da die Verbindungsröhren
leicht abgeschraubt werden können, ist es möglich, mittelst Bürsten die
geraden Hauptröhren schnell und gut zu reinigen. Um der durch die
Röhren gehenden Flüssigkeit einen geringeren Durchmesser zu geben,
werden die Röhren anstatt rund oval und flach gemacht. Je nach
benöthigter Grösse des Apparats enthält derselbe 12 bis 40 Stück
Röhren, gewöhnlich aus Kupferblech und verzinnt. Die Röhren selbst
liegen in gleichmässigem Abstande in einem Kasten von Eisenblech,
der das Kühlwasser mit Eis enthält. Seit dem Jahre 1869 gewinnen
die sogenannten Gegenstromkühler wegen ihres verhältnissmässig
bedeutenden Effectes bei geringem Eisverbrauch immer mehr und mehr
Bedeutung. Ein solcher Apparat besteht aus 6 bis 8 eisernen Röhren
von 2'8 m Länge, 15'6 cm Durchmesser, welche untereinander eom-
municiren. In diesen befinden sich 19 kleinere Kupferröhren, welche
ebenfalls miteinander in Verbindung stehen und durchweiche die Würze
strömt. Je ein Röhrensystem steht mit dem im nächsten weiten Rohr
befindlichen in Verbindung. Das durch Eis abgekühlte Wasser, welches
die engen Röhren umspült, wird aus einem hinreichend hoch situirten
Kaltwasserreservoir zugeleitet. Würze und kaltes Wasser strömen
einander entgegen, so dass an dem Punkte, an welchem die abgekühlte
Würze die Kühlvorrichtung verlässt, Wasser von 0° in letztere eintritt.
Derartige Apparate sind in der Praxis eingeführt worden hauptsächlich
von Prick in Wien, dann von Hausschild in Berlin, Lipps in Dres
den, Neubecker in Offenbach a. M. etc. Während die Benutzung der
Apparate der ersten drei Firmen in horizontaler Stellung erfolgt, ist
Wiener Weltausstellung. III. I. 2. 24