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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Bier. 
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Eine Kelleranlage nach dem System Brainard besteht darin, dass 
über dem zu kühlenden Baum zwei in viele Winkel gebogene Becken 
von Metall angebracht werden, zwischen welchen das Eis gelagert ist 
und die in den Winkelflächen nicht nur eine möglichst grosse Conden- 
sationsoberfiäche, sondern auch die Sicherheit des raschesten Ablaufens 
des Schmelz- und Condensationswassers bieten, welches durch beson 
dere Kinnen nach aussen geführt wird. Das Condensationswasser 
absorbirt von den in Gährräumen sich entwickelnden Gasen und trägt 
damit zur Beinignng der Kellerluft bei. 
Das Yerhältniss des Eisraumes zur Grösse des Lagerraumes soll 
ungefähr 1 zu 4 sein. Sowohl bei Gähr- als Lagerkellern muss für 
eine gute Ventilation gesorgt sein. 
Die Untergährung erfolgt gewöhnlich in offenen runden auch 
manchmal in ovalen Bottichen aus Eichen- oder Lärchenholz, die man 
nicht selten mit einem Harzlack überzieht. Ausserdem hat man Bot 
tiche aus Cement, Schiefer, glasirtem Eisen und selbst Glas in Gebrauch. 
Letztere lieferten die schönsten Resultate, die reinste Hefe, wären sie 
nur nicht so zerbrechlich. 
Der Inhalt eines Gährbottichs wird gewöhnlich von 20 bis 40 Hecto- 
liter genommen und soll dieses Maass nicht übersteigen. Früher stellte 
man die Gährbottiche auf hölzerne Ganten, welche wieder auf Polster 
hölzern ruhten. Jetzt benutzt man statt der Polsterhölzer Säulchen 
von Stein oder Gusseisen, auf welchen breite eiserne Träger oder auch 
wohl alte Bahnschienen befestigt werden. 
In jedem Gährkeller findet man weiter eine Werkelpumpe, welche 
beim Abziehen des Jungbieres benutzt wird, eine Schlauchtrommel zum 
Aufrollen der Schläuche, ferner eine Würze-, Bier- und eine Wasser 
leitung. Die erstere steht in Verbindung mit den Kühlschiffen resp. 
mit dem Kühlapparate, die zweite hat den Zweck, das Jungbier aus 
dem Gährlocale in den Lagerkeller zu schaffen, die dritte hat das 
nöthige Quantum Wasser aus den betreffenden gewöhnlich auf dem 
Bodenraum aufgestellten Reservoirs zur Reinigung der Gefässe und 
Locale zu verschaffen. In grösseren Etablissements findet man auch 
eine Gasleitung, wenn Gasbeleuchtung eingeführt ist. Als Leitungs 
röhren für Würze und Bier eignen sich am besten verzinnte Kupfer 
rohre, übrigens werden auch Blei- und gusseiserne Röhren gebraucht. 
Was die Bereitung der obergährigen Biere anbetrifft, so hat die 
selbe in den letzten Decennien wenig Fortschritte gemacht; nur hat man 
gefunden, dass sie den untergährigen Bieren in ihren Eigenschaften 
um so näher kommen, je langsamer und regelmässiger und je niedriger 
sie (innerhalb der Temperaturgrenzen für Obergährung) vergohren 
sind. Auf die letztere Bedingung muss man aber um so mehr verzich 
ten, als der Vorzug der obergährigen Biere ja gerade darin besteht, dass 
sie bei höherer Temperatur dargestellt werden dürfen als die unter-
	        
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