Bier.
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Eine Kelleranlage nach dem System Brainard besteht darin, dass
über dem zu kühlenden Baum zwei in viele Winkel gebogene Becken
von Metall angebracht werden, zwischen welchen das Eis gelagert ist
und die in den Winkelflächen nicht nur eine möglichst grosse Conden-
sationsoberfiäche, sondern auch die Sicherheit des raschesten Ablaufens
des Schmelz- und Condensationswassers bieten, welches durch beson
dere Kinnen nach aussen geführt wird. Das Condensationswasser
absorbirt von den in Gährräumen sich entwickelnden Gasen und trägt
damit zur Beinignng der Kellerluft bei.
Das Yerhältniss des Eisraumes zur Grösse des Lagerraumes soll
ungefähr 1 zu 4 sein. Sowohl bei Gähr- als Lagerkellern muss für
eine gute Ventilation gesorgt sein.
Die Untergährung erfolgt gewöhnlich in offenen runden auch
manchmal in ovalen Bottichen aus Eichen- oder Lärchenholz, die man
nicht selten mit einem Harzlack überzieht. Ausserdem hat man Bot
tiche aus Cement, Schiefer, glasirtem Eisen und selbst Glas in Gebrauch.
Letztere lieferten die schönsten Resultate, die reinste Hefe, wären sie
nur nicht so zerbrechlich.
Der Inhalt eines Gährbottichs wird gewöhnlich von 20 bis 40 Hecto-
liter genommen und soll dieses Maass nicht übersteigen. Früher stellte
man die Gährbottiche auf hölzerne Ganten, welche wieder auf Polster
hölzern ruhten. Jetzt benutzt man statt der Polsterhölzer Säulchen
von Stein oder Gusseisen, auf welchen breite eiserne Träger oder auch
wohl alte Bahnschienen befestigt werden.
In jedem Gährkeller findet man weiter eine Werkelpumpe, welche
beim Abziehen des Jungbieres benutzt wird, eine Schlauchtrommel zum
Aufrollen der Schläuche, ferner eine Würze-, Bier- und eine Wasser
leitung. Die erstere steht in Verbindung mit den Kühlschiffen resp.
mit dem Kühlapparate, die zweite hat den Zweck, das Jungbier aus
dem Gährlocale in den Lagerkeller zu schaffen, die dritte hat das
nöthige Quantum Wasser aus den betreffenden gewöhnlich auf dem
Bodenraum aufgestellten Reservoirs zur Reinigung der Gefässe und
Locale zu verschaffen. In grösseren Etablissements findet man auch
eine Gasleitung, wenn Gasbeleuchtung eingeführt ist. Als Leitungs
röhren für Würze und Bier eignen sich am besten verzinnte Kupfer
rohre, übrigens werden auch Blei- und gusseiserne Röhren gebraucht.
Was die Bereitung der obergährigen Biere anbetrifft, so hat die
selbe in den letzten Decennien wenig Fortschritte gemacht; nur hat man
gefunden, dass sie den untergährigen Bieren in ihren Eigenschaften
um so näher kommen, je langsamer und regelmässiger und je niedriger
sie (innerhalb der Temperaturgrenzen für Obergährung) vergohren
sind. Auf die letztere Bedingung muss man aber um so mehr verzich
ten, als der Vorzug der obergährigen Biere ja gerade darin besteht, dass
sie bei höherer Temperatur dargestellt werden dürfen als die unter-