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Gruppe III. Chemische Industrie.
gährigen und deshalb ohne grosse Kosten überall gebraut werden
können. Eine Ausnahme hiervon machen die englischen Biere wie
Ale und Porter, welche aus sehr concentrirten Infusionswürzen gebraut
werden.
Eigenschaften der Biere.
Am meisten wird dasjenige Bier geschätzt, welches neben einem
angemessenen Gehalt an Alkohol ein natürliches Aroma und bei voll
kommener Klarheit, feurigem Glanze und hinreichendem Schäumen
genügende Vollmundigkeit und einen erfrischenden, weinartigen, süss-
lich-bitteren Geschmack besitzt. Reine Malzwürzen mit einem Gehalte
von 12 p. C. vor der Gährung unter Beigabe von 0’75 Kg Hopfen per
50 Kg Malz und einer Lagerzeit von wenigstens zwei Monaten liefern
ein Bier, das den meisten Anforderungen entspricht. Soll dasselbe
unter Zusatz von Surrogaten erreicht werden, so ist eine 13procentige
Stammwürze erforderlich und darf der Zusatz von Stärkemehl ein
Zehntel des Malzquantums dem Gewichte nach nicht überschreiten.
Der Zusatz von Hopfen muss natürlich nach der Geschmacksrichtung
der Consumenten oft verändert werden, da man in manchen Gegenden
ein mehr bitteres Bier liebt. Obiges Quantum Hopfen nebst Concen-
tration entspricht den Verhältnissen der bayerischen resp. Münchener
Biere, während die Wiener Biere unter demselben Hopfenzusatz 14- bis
15procentige Stammwürzen erfordern. Die böhmischen Biere sind als
die leichtesten bekannt und wechselt mit wenigen Ausnahmen der Ge
halt der Stammwürzen von 9 bis 12 p. C. bei gleichem Quantum Hop
fen, wie für Wiener und bayerische Biere. Der Charakter der Wiener
Biere hält die Mitte zwischen den bayerischen und böhmischen Bieren
sowohl in der Farbe, Vollmundigkeit, als auch Bitterkeit.
Die englischen Biere dagegen sind bezüglich des Procentgehaltes
als die stärksten bekannt und erhalten einen ungeheuren Hopfen
zusatz : pro 50 Kg Malz bis zu 2"5 Kg. Die Stammwürzen werden
bei Porter und Ale selten unter 16 p. C. genommen. Würzen mit
Zuckerzusatz oder solche aus schwach gedarrtem Malz bereitet, von
derselben Concentration wie reine Malzwürzen, vertragen nicht so viel
Hopfen und aus diesem Grunde schmecken die leichteren böhmischen
Biere bei gleichem Hopfenzusatz bitterer.
Die Hauptbestandtheile des Bieres sind: Alkohol, Extract (Dextrin,
Zucker, Protei'noide, geringe Mengen Glycerin, Bernsteinsäure, Bitterstoff,
Harz aus dem Hopfen, Fett und Salze), geringe Mengen Essigsäure,
Milchsäure, Röstproducte des Malzes und grösstentheils Wasser.
Der Gehalt an Kohlensäure schwankt bei gewöhnlichem Luftdruck
in uii gespundeten Bieren dem Volumen nach von 0'6 bis 1'8 p. C., dem