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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Pflanzenfaser. 
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Resultate nicht immer zuverlässig sind. Es scheint darauf anzukom 
men, dass die angegebenen Temperaturgrade genau eingehalten werden 
und dieses ist, da die Operation so lange Zeit in Anspruch nimmt, 
nicht ganz leicht. Uehersteigt die Temperatur während der Mace- 
ration 15°, so ergieht sich leicht ein Verlust, während umgekehrt bei 
niedriger Temperatur die Cellulose nicht im reinen Zustande erhalten 
wird; letzterer Umstand ereignet sich besonders bei der Behandlung 
dichter, stark verholzter Gewebe. Das Endproduct der Reaction er 
scheint in diesem Falle durch unzersetzte gefärbte Inter cellular- und 
incrustirende Substanz verunreinigt und lässt es sich dann schon durch 
den blossen Augenschein erkennen, dass die Einwirkung unzurei 
chend war. 
Der Verfasser wurde hierdurch veranlasst, eine Reihe von Ver 
suchen in dieser Richtung auszuführen, welche schliesslich zu der Auf 
findung einer Methode führten, nach welcher sich die Bestimmung der 
Cellulose in recht befriedigender Weise ausführen lässt. 
Dieses Verfahren beruht auf der gelegentlich gemachten Beobach 
tung, dass aus Leinenfaser dargestellte reine Cellulose im zerstreuten 
Lichte und bei circa 20° C. seihst von einer nahezu gesättigten Lösung 
von Brom in Wasser nach mehreren Monaten noch kaum merklich 
verändert wird, während andererseits die in der rohen Pflanzenfaser 
enthaltenen Nebenbestandtheile mit grosser Leichtigkeit angegriffen 
und dadurch in Wasser oder verdünntem Ammoniak leicht löslich ge 
macht werden. 
2 Grm. des zu untersuchenden Materials werden bei 110 bis 115° 
getrocknet und im Falle sie erhebliche Mengen von Harz, Wachs und 
dergleichen enthalten, vorher mit einem Gemisch von starkem Alkohol 
und Benzol ausgezogen und hierauf einige Mal mit Wasser oder sehr 
verdünntem Ammoniak ausgekocht. Die erweichte Masse wird dann, 
wenn nicht schon fein genug zertheilt, im Mörser mit einem aus 
Buchsbaumholz gefertigten Pistill gehörig zerquetscht. Bei der Be 
handlung von Holzarten sind feine Hohelspähne die geeignetste Form 
und bedürfen keiner weiteren Zertheilung. Das so vorbereitete von 
Wasser gänzlich durchdrungene Material wird nun in einem weit 
halsigen geräumigen Stöpselglase mit 100 cbcm Wasser übergossen und 
dann von einer Bromlösung, welche 2 cbcm Brom in 500 cbcm Was 
ser enthält, je nach der Natur des Materials 5 oder lOcbc zugesetzt. 
Die gelbe Farbe der Flüssigkeit verschwindet bei Behandlung der reine 
ren Bastfasern, wie Flachs oder Hanf allmälig, aber schon nach weni 
gen Minuten bei strohartigen Substanzen oder bei den Holzarten. Ist 
die Farbe verschwunden, so setzt man eine neue Menge von Bromlösung 
zu und fährt so fort, bis endlich ein Zeitpunkt eintritt, in welchem die 
Absorption so träge wird, dass selbst nach Ablauf von 12 bis 24 Stun 
den die Flüssigkeit noch gelb bleibt und die Gegenwart von freiem
	        
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