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Pflanzenfaser.
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Resultate nicht immer zuverlässig sind. Es scheint darauf anzukom
men, dass die angegebenen Temperaturgrade genau eingehalten werden
und dieses ist, da die Operation so lange Zeit in Anspruch nimmt,
nicht ganz leicht. Uehersteigt die Temperatur während der Mace-
ration 15°, so ergieht sich leicht ein Verlust, während umgekehrt bei
niedriger Temperatur die Cellulose nicht im reinen Zustande erhalten
wird; letzterer Umstand ereignet sich besonders bei der Behandlung
dichter, stark verholzter Gewebe. Das Endproduct der Reaction er
scheint in diesem Falle durch unzersetzte gefärbte Inter cellular- und
incrustirende Substanz verunreinigt und lässt es sich dann schon durch
den blossen Augenschein erkennen, dass die Einwirkung unzurei
chend war.
Der Verfasser wurde hierdurch veranlasst, eine Reihe von Ver
suchen in dieser Richtung auszuführen, welche schliesslich zu der Auf
findung einer Methode führten, nach welcher sich die Bestimmung der
Cellulose in recht befriedigender Weise ausführen lässt.
Dieses Verfahren beruht auf der gelegentlich gemachten Beobach
tung, dass aus Leinenfaser dargestellte reine Cellulose im zerstreuten
Lichte und bei circa 20° C. seihst von einer nahezu gesättigten Lösung
von Brom in Wasser nach mehreren Monaten noch kaum merklich
verändert wird, während andererseits die in der rohen Pflanzenfaser
enthaltenen Nebenbestandtheile mit grosser Leichtigkeit angegriffen
und dadurch in Wasser oder verdünntem Ammoniak leicht löslich ge
macht werden.
2 Grm. des zu untersuchenden Materials werden bei 110 bis 115°
getrocknet und im Falle sie erhebliche Mengen von Harz, Wachs und
dergleichen enthalten, vorher mit einem Gemisch von starkem Alkohol
und Benzol ausgezogen und hierauf einige Mal mit Wasser oder sehr
verdünntem Ammoniak ausgekocht. Die erweichte Masse wird dann,
wenn nicht schon fein genug zertheilt, im Mörser mit einem aus
Buchsbaumholz gefertigten Pistill gehörig zerquetscht. Bei der Be
handlung von Holzarten sind feine Hohelspähne die geeignetste Form
und bedürfen keiner weiteren Zertheilung. Das so vorbereitete von
Wasser gänzlich durchdrungene Material wird nun in einem weit
halsigen geräumigen Stöpselglase mit 100 cbcm Wasser übergossen und
dann von einer Bromlösung, welche 2 cbcm Brom in 500 cbcm Was
ser enthält, je nach der Natur des Materials 5 oder lOcbc zugesetzt.
Die gelbe Farbe der Flüssigkeit verschwindet bei Behandlung der reine
ren Bastfasern, wie Flachs oder Hanf allmälig, aber schon nach weni
gen Minuten bei strohartigen Substanzen oder bei den Holzarten. Ist
die Farbe verschwunden, so setzt man eine neue Menge von Bromlösung
zu und fährt so fort, bis endlich ein Zeitpunkt eintritt, in welchem die
Absorption so träge wird, dass selbst nach Ablauf von 12 bis 24 Stun
den die Flüssigkeit noch gelb bleibt und die Gegenwart von freiem