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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
Brom  wahrgenommen  werden  kann.  Die  nun  von  der  Flüssigkeit  abfiltrirte
  Substanz  wird  mit  Wasser  gewaschen  und  mit  circa  500  cbcm
Wasser,  welchem  2  cbcm  Ammoniakflüssigkeit  zugesetzt  sind,  bis  nahe
zum  Siedepunkt  erhitzt.  Alle  rohen  Pflanzenfasern  und  Holzarten
ohne  Ausnahme  nehmen  bei  dieser  Behandlung  mit  verdünntem  Ammoniak ­
  eine  mehr  oder  weniger  intensive  dunkelbraune  Farbe  an  und
ebenso  die  Flüssigkeit,  indem  sie  eine  entsprechende  Menge  eines  braunen ­
  Körpers  löst.  Die  durch  Filtriren  getrennte  und  gehörig  gewaschene ­
  Masse  wird  in  das  Stöpselglas  zurückgebracht,  abermals  mit
Wasser  übergossen  und  von  Neuem  Bromlösung  zugesetzt.  Gewöhnlich ­
  wird  dieser  erstere  Zusatz  ziemlich  leicht  absorbirt,  indem  die
dunkle  Farbe  der  Substanz  in  eine  hellere  übergeht.  Die  reineren
Bastfasern,  welchen  man  bei  dieser  zweiten  Behandlung  nur  Quantitäten ­
  von  5  cbcm  zusetzt,  werden  bald  farblos  und  weiter  zugesetzte
Mengen  von  Brom  bleiben  tagelang  unabsorbirt.  Die  verholzten  Gewebe ­
  dagegen  absorbiren  nach  der  vorhergegangenen  Behandlung  mit
verdünntem  Ammoniak  das  Brom  wieder  mit  erneuerter  Leichtigkeit
und  man  fährt  daher  fort,  Mengen  von  10  cbcm  Bromlösung  zuzusetzen,
bis  abermals  eine  Stockung  in  der  Absorption  eintritt.  Ist  dieser  Zeitpunkt ­
  eingetreten,  so  wird,  wie  vorher,  mit  verdünntem  Ammoniak  behandelt. ­
  Bei  den  reineren  Bastfasern  reicht  dieses  zweimalige  Behandeln ­
  meistens  aus,  die  stärker  verholzten  Gewebe  aber  verlangen  eine
dritte  und  zuweilen  vierte  Behandlung  mit  Bromlösung  in  allmälig
kleiner  werdenden  Mengen.
Bei  jeder  neuen  Behandlung  mit  verdünntem  Ammoniak  macht
sich  der  Fortschritt  in  der  Isolirung  des  Celluloseskelets  in  recht  instructiver
  Weise  bemerkbar.  Die  vorher  starren  Gewebe  werden  weicher ­
  und  bei  der  letzten  Behandlung  endlich  zerfallen  selbst  so  feste
Gewebe  wie  Strohsubstanz  oder  Hobelspähne  zu  einer  papierbreiähnlichen ­
  Masse  isolirter  Zellen,  welche  durch  Auswaschen  mit  Wasser
und  dann  mit  kochendem  Alkohol  die  Cellulose  als  blendend  weisse
Masse  im  reinen  Zustande  liefert.
Als  ein  Zeichen  der  Reinheit  mag  es  angesehen  werden,  dass  nach
weiterer  Berührung  mit  sehr  verdünnter  Bromlösung  während  24  Stunden ­
  und  nachheriger  Behandlung  mit  warmem  verdünntem  Ammoniak
keine  Färbung  der  Flüssigkeit  mehr  sich  zeigt.
Diese  anscheinend  etwas  umständliche  Methode  kann  in  der  halben
Zeit  wie  die  Schulze’sche  ausgeführt  werden  und  es  bietet  besonders
der  Umstand,  dass  der  Gang  der  Reaction  durch  das  Verschwinden  der
gelben  Farbe  der  Flüssigkeit  verfolgt  werden  kann,  einen  wesentlichen
Vortheil.  Ausserdem  wird  in  diesem  Falle  die  Cellulose  immer  in  der
Form  isolirter  farbloser  Zellen  erhalten  und  es  ist  dadurch  die  nöthige
Garantie  für  die  Reinheit  derselben  gegeben.
            
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