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Gruppe III. Chemische Industrie.
sind, tauscht man die etwa vorhandene Mineralsäure zur Verhütung
des Mürbewerdens der „Waare“ durch Zusatz von essigsaurem Natron
gegen Essigsäure aus.
Nicht unbedeutend sind ferner die von der Pharmacie und Photographie
gebrauchten Mengen, dem Chemiker aber ist die Essigsäure ein
unentbehrliches Hilfsmittel in einer grossen Anzahl von Operationen,
namentlich der analytischen Chemie. Seitdem das ausgezeichnete Lösungsvermögen
derselben für Kohlenwasserstoffe erkannt worden ist,
hat sich ihre Anwendung hei der Ausführung von Untersuchungen auf
dem Gebiete der organischen Chemie und in den Industrien, welche
sich auf diese Untersuchungen gründen, wesentlich gesteigert. Es
basirt z. B. die sehr wichtige Bestimmung des Anthracengehalts im
käuflichen Anthracen auf die Oxydation des Kohlenwasserstoffs in eisessigsaurer
Lösung zu Anthrachinon.
Berücksichtigt man endlich noch den durch die steigende Wohlhabenheit
immer grösser werdenden Consum von Essig für Speisezwecke,
so begreift es sich, weshalb die Fabrikation aller mit Essigsäure
zusammen hängenden Artikel die grosse Ausdehnung gewonnen hat,
welche in dem letzten Jahrzehend zur Geltung gekommen ist. In der
That nehmen die diesem Industriezweige angehörenden Fabriken mit
jedem Tage an Umfang und Bedeutung zu. Aus den winzigen, schlecht
ventilirten, wenig, sauberen Essigstuben rein empirisch arbeitender
Kleinindustrieller sind in grossartigem Maassstabe betriebene, mit allen
Hilfsmitteln der Wissenschaft und der Technik ausgestattete Essigfabriken
geworden ; die mit ein oder zwei Retorten arbeitenden, weit
verstreuten Holzschwelereien haben mächtigen Etablissements weichen
müssen, welche täglich ganze Waldungen ihren zahlreichen Retorten
zuführen, mit den daraus gewonnenen Holzkohlen ihre Hohöfen unterhaltend,
und mit dem Holzessig und Holzgeist eine grosse Zahl der
oben erwähnten Fabriken versorgend.
Es ist hier wohl der Ort, die Frage aufzuwerfen, ob der Gewinnungsprocess
von Essigsäure aus dem Holzessig auf die Dauer dem
aus Spiritusessig hinsichtlich der Rentabilität Stand halten wird.
Verfolgt man die einfache Spaltung des Stärke- resp. des Zuckermoleculs
in Alkohol und Kohlensäure und die fast theoretisch sich vollziehende
Oxydation des Alkohols zu Essig auf den Essigbildern, so
kann man sich fragen, weshalb man das dieselbe erzeugende Kraft in
Anspruch nehmende Cellulosemolecul im Holz einem so complexen Process
unterwirft, wie es die trockene Destillation ist, bei welcher der
bei Weitem überwiegende Theil des Kohlenstoffs in Form von Kohle
oder schlecht verwerthbarem Theer abgeschieden wird. Allerdings ist
die Cellulose billiger als der Zucker, und ist die Gewinnung des Holzessigs
in fast allen Fällen Nebenzweck, während die Kohle und neuerdings
der Holzgeist die Producte sind, auf welche man es besonders abgesehen