Essigsäure.
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hat. Immerhin bildet aber die Ausbeute an Holzessig bei der Ren
tabilitätsberechnung einen sehr erheblichen Factor, und wenn erst ein
mal der für solche Zwecke vorhandene Holzvorrath gelichtet ist, wenn
namentlich auch die ungerechtfertigte Belastung der Essigsäurefabri-
kation mit der Spiritussteuer aufhört, so ist nicht zu bezweifeln, dass
die aus Alkohol gewonnene Essigsäure den Vorrang behalten wird.
Denn hinsichtlich der Qualität ist dieselbe entschieden der aus Holz
essigsäure weit überlegen. Während in der letzteren die ganze Reihe
homologer Fettsäuren bis zur Capronsäure aufwärts enthalten ist, darf
man das Oxydationsproduct selbst Fuselöl haltigen Alkohols als nahezu
reine verdünnte Essigsäure betrachten. Reiner Isobutylalkohol z. B. geht
nach des Verfassers eigenen Versuchen durch einen Essigbilder unverän
dert durch, die Oxydation des Amylalkohols aber ist danach ausge
schlossen, da derselbe im Wasser überhaupt nicht ausreichend löslich
ist, um eine für solche Versuche brauchbare Mischung zu geben.
Es darf also z. B. die kürzlich von 0. Ficinus *) ausgehende, sich auf
diesem Gebiete bewegende Tublication, als auf unrichtigen Beobach
tungen fussend angesehen werden.
Da die Gewinnung des Holzessigs in dem Artikel über „Holzde
stillation“ einer eingehenden Behandlung Vorbehalten ist, so haben wir
an dieser Stelle nur noch die Spiritusessigfabrikation einer kurzen Be
trachtung zu unterziehen.
Die von dem letzten Jahrzehend gebrachten Vorschläge und Ver
besserungen auf diesem Gebiete sind kaum nennenswerther Art, und
haben der Praxis nur wenig greif bare Vortheile geboten. Wie bekannt,
ist der Essigbildungsprocess, die sogenannte Essiggährung, noch immer
Gegenstand einer lebhaften Controverse. Noch immer fehlt es dem Aus
spruche Pasteur’s, der wohl kurz dahin zusammengefasst werden darf,
dass die Essigbildung ein Gährungsprocess sei, und von dem Pilz Myco-
äerma Aceti bewirkt werde, ebensowenig an Anhängern als der Ansicht
Eiehig’s, welche er in seiner berühmten Abhandlung 2 ) „Ueber die
Gahrung und Quelle der Muskelki'aft“ vertreten hat, dass die Umwand
lung des Alkohols in Essig nichts als ein einfacher Oxydationsprocess sei,
an Vertretern. Je nach dem Standpunkt der Betreffenden sind denn
auch die Vorschläge verschiedene.
Artus 3 ) will in die Essigbilder Holzkohle, die mit Platin-
c doridlösung getränkt und dann geglüht ist, einführen. Singer hat
einen neuen Essiggenerator construirt, der von Reim an n *) beschrieben
worden ist. Was davon zu halten ist, zeigen die Einwürfe von
lel 3 ), der nachweist, dass der Apparat trotz Patentirung in ver-
) ^. lc A lnus > Centralbl‘ 1873, 674. 2 ) Liebig, Ann. Chem.Pharm. CLIII
CXP s,! r US ’ Din § :1 - po1 - J - CLXXXYI, 158. «) Reimann, Dingl. pol. J.
, 814. 5) Thiel, Hess. Gewerbebl. 1870, 161; Wagn. Jahresber. 1870, 504,