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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Essigsäure. 
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hat. Immerhin bildet aber die Ausbeute an Holzessig bei der Ren 
tabilitätsberechnung einen sehr erheblichen Factor, und wenn erst ein 
mal der für solche Zwecke vorhandene Holzvorrath gelichtet ist, wenn 
namentlich auch die ungerechtfertigte Belastung der Essigsäurefabri- 
kation mit der Spiritussteuer aufhört, so ist nicht zu bezweifeln, dass 
die aus Alkohol gewonnene Essigsäure den Vorrang behalten wird. 
Denn hinsichtlich der Qualität ist dieselbe entschieden der aus Holz 
essigsäure weit überlegen. Während in der letzteren die ganze Reihe 
homologer Fettsäuren bis zur Capronsäure aufwärts enthalten ist, darf 
man das Oxydationsproduct selbst Fuselöl haltigen Alkohols als nahezu 
reine verdünnte Essigsäure betrachten. Reiner Isobutylalkohol z. B. geht 
nach des Verfassers eigenen Versuchen durch einen Essigbilder unverän 
dert durch, die Oxydation des Amylalkohols aber ist danach ausge 
schlossen, da derselbe im Wasser überhaupt nicht ausreichend löslich 
ist, um eine für solche Versuche brauchbare Mischung zu geben. 
Es darf also z. B. die kürzlich von 0. Ficinus *) ausgehende, sich auf 
diesem Gebiete bewegende Tublication, als auf unrichtigen Beobach 
tungen fussend angesehen werden. 
Da die Gewinnung des Holzessigs in dem Artikel über „Holzde 
stillation“ einer eingehenden Behandlung Vorbehalten ist, so haben wir 
an dieser Stelle nur noch die Spiritusessigfabrikation einer kurzen Be 
trachtung zu unterziehen. 
Die von dem letzten Jahrzehend gebrachten Vorschläge und Ver 
besserungen auf diesem Gebiete sind kaum nennenswerther Art, und 
haben der Praxis nur wenig greif bare Vortheile geboten. Wie bekannt, 
ist der Essigbildungsprocess, die sogenannte Essiggährung, noch immer 
Gegenstand einer lebhaften Controverse. Noch immer fehlt es dem Aus 
spruche Pasteur’s, der wohl kurz dahin zusammengefasst werden darf, 
dass die Essigbildung ein Gährungsprocess sei, und von dem Pilz Myco- 
äerma Aceti bewirkt werde, ebensowenig an Anhängern als der Ansicht 
Eiehig’s, welche er in seiner berühmten Abhandlung 2 ) „Ueber die 
Gahrung und Quelle der Muskelki'aft“ vertreten hat, dass die Umwand 
lung des Alkohols in Essig nichts als ein einfacher Oxydationsprocess sei, 
an Vertretern. Je nach dem Standpunkt der Betreffenden sind denn 
auch die Vorschläge verschiedene. 
Artus 3 ) will in die Essigbilder Holzkohle, die mit Platin- 
c doridlösung getränkt und dann geglüht ist, einführen. Singer hat 
einen neuen Essiggenerator construirt, der von Reim an n *) beschrieben 
worden ist. Was davon zu halten ist, zeigen die Einwürfe von 
lel 3 ), der nachweist, dass der Apparat trotz Patentirung in ver- 
) ^. lc A lnus > Centralbl‘ 1873, 674. 2 ) Liebig, Ann. Chem.Pharm. CLIII 
CXP s,! r US ’ Din § :1 - po1 - J - CLXXXYI, 158. «) Reimann, Dingl. pol. J. 
, 814. 5) Thiel, Hess. Gewerbebl. 1870, 161; Wagn. Jahresber. 1870, 504,
	        
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