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Essigsäure.
zugleich nach der herrschenden Aussentemperatur richtet. In der
verhältnissmässig günstigsten Jahreszeit, Frühjahr und Herbst, wird
etwa ein Cubikmeter guter aufgerollter Buchenspähne 200 bis 250 Liter
procent pro 24 Stunden aufzuarbeiten im Stande sein. Es ist begreiflich,
dass je nach den klimatischen Verhältnissen, der Methode desArbeitens
etc. etc. diese Zahlen wesentlich modifieirt werden können. Aufgabe
einer rationell betriebenen Essigfabrikation wird es immer bleiben,
diese Zahlen festzustellen und sich mit dem Betriebe innerhalb dersel
ben zu halten. Was die Grösse der Bilder anlangt, so wird man im
Allgemeinen den mehrere Cubikmeter fassenden Bildern den Vorzug
geben müssen, da sie den Einflüssen der wechselnden Aussentempera
tur weniger unterworfen sind. Dass sie andererseits einen aufmerk
sameren Betrieb fordern und namentlich vor zu grosser Erhitzung im
Innern zu bewahren sind, da sich derselben sehr viel schwerer steuern
lässt, wird nicht weiter auffallen. Es wird der Satz gelten, dass für
den Grossbetrieb, der mit mechanischen Hilfsmitteln reichlich ausge
stattet ist, grosse Bilder von circa 3 m Höhe und l'5m Breite den Vorzug
verdienen, während für die Bedürfnisse einer gewöhnlichen Essigstube
circa 2 m hohe und 1 m weite Bilder am bequemsten zu behandeln sind.
Was die Reinheit des Essigguts anlangt, so ist einzusehen, dass
mechanische Verunreinigungen schon um deswegen schädlich wirken
müssen, als sie einen geregelten Zufluss des Essigguts ganz erheblich
erschweren. Abgesehen von solchen zufälligen Verunreinigungen, die
aus Unachtsamkeit in das Essiggut gelangen, ist es ganz besonders
noch das mit dem Betriebe verbundene Auftreten der sogenannten
Essigfliegen, welches eine Reinhaltung des Essigguts schwierig macht.
Man hat daher darauf zu achten, der Vermehrung dieser Insecten
energisch entgegenzutreten, und erreicht dies am leichtesten durch Ab
haltung des Sonnenlichts und theilweise auch des Tageslichts.
Weiter sind auch Zusätze zu dem zu oxydirenden Alkohol soweit
thunlich zu beschränken. Wenn auch die mit zuckerhaltigem Essig
gut — hierher gehören Bierwürzen, Malzauszüge etc. — betriebenen
Bilder plötzlich eintretenden Witterungsveränderungen erfahrungsmässig
besser widerstehen, so sind solche Zusätze überall da nicht rathsam, wo
nicht die Steuergesetzgebung, wie beispielsweise in England, die An
wendung von Alkohol als solchen ganz erheblich belastet. Mit ver
dünntem Alkohol, der seinerseits mit ca. 20 p. 0. gewöhnlichen Essig
sprits angesäuert ist, werden die Bilder immer am leichtesten in Ord-
nung zu halten sein.
Auch auf die den Alkohol selbst begleitenden Beimengungen ist
em Augenmerk zu richten. Nach darüber angestellten schon oben
augedeuteten Versuchen werden die höheren Homologen des Aethyl-
alkohols vom Butylalkohol an nicht oxydirt, wenigstens nicht in
nachweisbaren Mengen. Man wird also gut thun, vorzugsweise fusel-