Essigsäure. 399
4 676 674 Literprocent Alkohol,
3 951 694 Kiloprocent Essig
erhalten wurden. Mit Zugrundelegung der oben angeführten Berechnungweise
sind also aus 100 Thln. 84‘5 Thle. erzielt, und da der Fabrikationsverlust
mit in dieser Zahl liegt, so kann dies Ergehniss als ein günstiges
bezeichnet werden. In der von mir geleiteten Fabrik werden im Augenblick
nach den mir vorliegenden Zahlen von 10 000 Literprocent Alkohol
8 400 Kiloprocent Essigsäure erhalten. Der Verlust steigt ganz enorm,
sobald die Essigbilder zu heiss werden, und die Vertheilung eine schlechte
ist, überhaupt ein unregelmässiger Betrieb stattfindet. Dreissig und mehr
Procent Verlust sind dann nicht selten vorkommende Erscheinungen.
Die grosse Mehrzahl der bestehenden Essigfabriken arbeitet mit
einem Durchschnittsverlust von ca. 20 p.C., insofern sie es schwer
ermöglichen, bei Sommertemperatur und namentlich bei häufig eintretendem
Gewitter einen absolut geregelten Gang einzuhalten und somit
die Minimalverlustgrenze zu erreichen.
Der zur Weiterverarbeitung gelangende Spiritusessig besteht aus
reiner verdünnter Essigsäure neben geringen Mengen von Alkohol und
den sich aus diesem und den Homologen bildenden zusammengesetzten
Aethern. Er unterscheidet sich also sehr wesentlich von dem rohen
Holzessig, der, wie oben bemerkt, neben den schon schwierig entfernbaren
empyreumatischen Substanzen noch die ganze Reihe der homologen
Fettsäuren bis zur Capronsäure aufwärts enthält. Dies bedingt
denn auöh die sehr verschiedenen Aufbereitungsweisen. Der Essig wird
einfach mit Kalk, Soda, Potasche u. s. w. neutralisirt und liefert nach
dem Verdampfen ohne weitere Schwierigkeiten die entsprechenden fast
reinen Salze. Für die Darstellung von Bleizucker, dessen Krystallisationsfähigkeit
ungemein leicht durch geringe organische Beimengungen
beeinträchtigt wird, destillirt man zuvor den Essig und lässt
gleich die heissen Essigdämpfe auf das Bleioxyd einwirken.
Anders liegt die Sache bei dem Holzessig. Hier ist vor Allem
das Empyreuma wegzuschaffen und dies ist schwerer als es im ersten
Augenblick erscheint. Da viele Holzschwelereien sich mit der Reindarstellung
der Essigsäure nicht befassen, so bringen sie den Holzessig
nur in eine transportfähige Form. Sie binden die Säure an Kalk,
dampfen die Lösungen ein und trocknen das Salz auf eisernen Röstbetten,
welche zur Ersparung von Brennmaterial gewöhnlich über den
Schornsteinzügen angebracht sind. Es kommt dann das Salz als graue
körnige Masse unter dem Namen Weisskalk, dessen Gehalt an Essigsäure
circa 60 p. 0. beträgt, in den Handel.
Die von Richter x ) vorgeschlagene Substitution des Baryts für
Kalk, welcher Vorschlag darauf fusst, dass das Bariumacetat in der
x ) Richter, Dingl. pol. J. CLXXXII, 174.