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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Organische Säuren. 
Von Dr. Rudolf Biedermann und Dr. Osear Doebner 
in Berlin. 
Diejenigen Kohlenstoffverbindungen, welche die Gruppe CO.OH, 
die Carboxylgruppe, in ihrem Molecul enthalten, bezeichnet man mit 
dem Namen „organische Säuren“. Charakteristisch ist es für diese 
horper, dass sie das Wasserstoffatom der Carboxylgruppe mit Leichtig- 
cit gegen Metalle oder Alkoholradicale auszutauschen vermögen, um 
Salze oder zusammengesetzte Aether zu bilden. Diese Eigenschaft theilt 
mit ihnen in geringerem Maasse eine andere Classe von Körpern, welche 
sich von den „Phenolen“ ableiten, Verbindungen, in denen der Wasser 
stoff einer nicht mit CO, sondern mit C verbundenen Hydroxylgruppe 
( H) durch Metall ersetzbar ist. Sobald negative Elemente oder Ka- 
ucale, wie z.B. die Nitrogruppe, in das Molecul dieser Körper eintreten, 
gelangen die sauren Eigenschaften derselben noch stärker zum Aus- 
riiek, und so kommt es, dass oft, besonders im gewöhnlichen Leben, 
öiper mit dem Namen Säuren bezeichnet werden, die nach unserer 
o ieii gegebenen Begriffsbestimmung gar keine Säuren sind. Man pflegt 
as ^h en ol Carbolsäure, das Trinitrophenol Pikrinsäure zu nennen, 
° in. keiner dieser Verbindungen die Carboxylgruppe vorhan 
den ist. 
Eine Anzahl von organischen Säuren liefert uns das Pflanzenreich, 
lese geheimnisvolle Werkstatt, in welcher die primitiven organischen 
ei indungen gebildet werden Die Verbreitung der Säuren im Pflanzen- 
1 eiche ist eine ungleich ausgedehntere als die der basischen Körper, 
e ehe in der Mehrzahl der Pflanzenfamilien fehlen, während Säuren 
g.° ^ ‘ n j e der Pflanze anzutreffen sind. Hier stellt uns die Natur die 
aurin oft in solcher Menge zu Gebote, dass ihre Isolirung ohne zu 
giosse Schwierigkeiten auszuführen und dadurch die Möglichkeit einer 
mweithung ihrer nützlichen Eigenschaften gegeben ist. Die meisten 
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