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Gruppe III. Chemische Industrie.
Zur Bereitung einer Ameisensäure yon 56 p. C. wird ein Gemenge
krystallisirter Oxalsäure mit wasserfreiem oder käuflichem Glycerin
erhitzt ; die Keaction beginnt bei 75° und ist bei 90° in vollem Gange,
indem unter Entwickelung von Kohlensäure eine wässerige Lösung
von Ameisensäure übergeht. Nach dem Aufhören der Kohlensäure-
entwiekelung werden fortgesetzt neue Quantitäten Oxalsäure zugesetzt,
wodurch das Destillat immer reicher an Ameisensäure wird, bis der
Gehalt von 56 p. C. constant bleibt. Bei Anwendung von 1 Kg Glyce
rin, dem die Oxalsäure in Portionen von 250 g zugesetzt wird, gelangt
man bald zu dem Punkte, wo jedes weiter zugesetzte Kilogramm Oxal
säure 650 g Ameisensäure von 56 p. C. liefert. Die Operation kann be
liebig lange ohne Unterbrechung fortgesetzt und Monate lang dasselbe
Glycerin verwendet werden.
Durch Einwirkung entwässerter Oxalsäure auf Glycerin erhielt
Lorin eine Ameisensäure von durchschnittlich 75 p. C.
Es gelang ihm ferner, aus 70procentiger Ameisensäure mittelst
entwässerter Oxalsäure eine nahezu wasserfreie Ameisensäure herzu
stellen, welche durch Abkühlung reines krystallisirtes Ameisensäure
hydrat lieferte.
Die Aether der Ameisensäure lassen sich nach Lorin’s Princip
sehr leicht direct in der Weise darstellen, dass Glycerin gleichzeitig
mit Oxalsäure und dem entsprechenden Alkohol in äquivalenten Ver
hältnissen erwärmt und nach beendigter Zersetzung der Oxalsäure
der gebildete Aether abdestillirt wird.
Die Vorzüge von Lorin’s Verfahren wurden sowohl durch Ver
suche von Parrot Q als auch von Sticht 2 ) vollkommen bestätigt;
Letzterer erhielt aus 37'5 Kg Oxalsäure und 50 Kg Glycerin 31 Kg
reines ameisensaures Natrium.
'Ein anderes Verfahren zur directen Darstellung des Ameisensäure
äthers im Grossen hat J. Stin de 3 ) beschrieben, welches auf der Zersetzung
des Stärkemehls durch Einwirkung von Mangansuperoxyd und Schwe
felsäure in Ameisensäure, Kohlensäure und Wasser bei Gegenwai't von
Alkohol beruht, welche erstere den Alkohol ätherificirt. Folgendes
Verfahren wird von Stinde empfohlen.
In einem eisernen mit Blei ausgekleideten Kessel, der mit einem
Kühlapparat verbunden ist, werden 4‘5 Kg Stärkemehl (am besten
Arrowrootpulver) mit 14'5 Kg 85procentigen Braunsteins oder der ent
sprechenden Menge eines Braunsteins von anderem Gehalt gebracht und
eine abgekühlte Mischung von 14 Kg Schwefelsäure und 10 Kg Spiritus
von 80 p. C. zugesetzt. Durch einen Dampfstrom wird die Reaction ein
geleitet, die sich dann ohne weitere Wärmezufuhr vollendet. Es destillirt
!) Parrot, Wagn. Jahresber. 1866, 288. 2 ) Sticht, Dingl. pol. J-
CLXXXII, 427. 3 ) Stinde, Dingl. pol. J. CLXXXI, 402.