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Gruppe III. Chemische Industrie.
schmack ausgezeichneten Aether in gleichem Maasse werthvoll für die
Parfümerie und besonders für die Fabrikation des Rums und Cognacs
sich erwiesen haben.
Die gewöhnliche Methode der Darstellung der Normalbuttersäure
in grösserem Maassstabe basirte seither auf der schon vor vielen Jah
ren von Pelouze und Gelis 1 ) beobachteten Bildung derselben durch
Gährung des Zuckers mittelst faulen Käses. Eine mit etwas Weinsäure
versetzte wässerige Rohrzuckerlösung wird mit faulem Käse und saurer
Milch unter Zusatz von Kreide der Gährung überlassen; nach etwa
10 Tagen hat sich milchsaures Calcium abgeschieden, das sich im Ver
lauf von 5 bis 6 Wochen unter Wasserstoffentwickelung in huttersaures
Calcium verwandelt. Durch kohlensaures Natrium wird dasselbe zur
Ahscheidung des überschüssigen Kalks in das Natriumsalz übergeführt,
und aus diesem die Buttersäure durch Schwefelsäure in Freiheit gesetzt.
Nach wiederholter Reinigung ist sie zur Bereitung ihrer Aether auf
dem allgemeinen Wege mittelst Alkohol und Schwefelsäure geeignet.
Es hat diese Methode den Nachtheil, dass derProcess ein zu lang
wieriger und die Reinigung der Säure behufs Darstellung eines reinen
Aethers, der vollkommen frei von jedem fremden Beigeschmack sein
muss, nicht einfach genug ist.
Als ein vortheilhafteres Material zur Darstellung des Buttersäure
äthers für technische Zwecke hat J. Stinde 2 ) das Johannishrod, die
Früchte von Ceratonia siliqua, die ein wohlfeiles Handelsproduct sind,
empfohlen. Im Johannisbrod, in dem zuerst Redtenbacher 3 ) Butter
säure beobachtete, ist Isohuttersäure, etwa 2 bis 3 p. C., neben etwa
42 bis 43 p. C. Traubenzucker enthalten, welcher letztere, durch das
gleichzeitig vorhandene Ferment in Gährung versetzt, eine weitere
Menge Buttersäure liefert.
Nach Stinde’s Angaben werden am besten in einem grossen höl
zernen Fass 50 Kg der zerkleinerten Schoten mit Wasser von 28° C.
zu einem dünnen Brei angerührt, nach 4 bis 5 Tagen 12 Kg Schlämm
kreide zugefügt und das Ganze der Gährung überlassen, die im Sommer
nach 6 Wochen vollendet ist. Die dicke breiartige Masse wird sodaun
direct in einer kupfernen Destillirblase durch ein Gemisch von 18 Kg
englischer Schwefelsäure und 30 Kg Weingeist von 95 p. C. ätherificirt.
Nach H. Perutz 4 ) lässt sich der Buttersäuregehalt mancher Fette
in lohnender Weise zur Darstellung des Buttersäureäthers ausbeuten.
Die Buttersäure ist nicht nur in der Butter, wo sie Chevreul im
Laufe seiner classischen Untersuchungen über die Fettkörper zuerst
entdeckte, sondern auch in manchen anderen Fetten als Glycerinäther
4 ) Pelouze und Gelis, Ann. chim. phys. X, 434. 2 ) Stinde, Diiigl.
pol. J. CLXXXIV, 167. s ) Redtenbacher, Ann. Chem. Pharm. LVII,
177. — 4 ) Perutz, Dingl. pol. J. CLXXXVII, 258.