Organische Säuren. 419
licher Menge liefert. Der aus jungem Wein während der Gährung
infolge von Verdunstung und Alkoholbildung sich absetzende Weinstein
ist Kaliumbitartrat und bildet das Hauptmaterial zur Darstellung der
Weinsäure.
Der Process der Darstellung ist im Wesentlichen derselbe geblie
ben, wie er in früheren Jahren war und wie er schon von Scheele 1 ),
zu dessen zahlreichen Entdeckungen auch die der Weinsäure gehört,
angewendet und von Klaproth 2 ) ausführlich beschrieben worden ist.
Es wird dem in Lösung befindlichen oder in Wasser vertheilten sauren
Kaliumtartrat Kalk oder Kreide hinzugesetzt, wodurch die Hälfte der
Weinsäure als Calciumsalz gefällt wird; das dabei entstandene neutrale
Kaliumsalz wird sodann durch Chlorcalciumlösung ebenfalls in wein
saures Calcium umgewandelt. Aus dem Calciumsalz wird schliesslich
durch Digestion mit Schwefelsäure die Weinsäure in Freiheit gesetzt,
deren Lösung zur Krystallisation abgedampft wird.
Wenn auch der Process in seinen Grundzügen allgemein bekannt
ist, so sind doch vielleicht einige Details willkommen, die wir an der
Hand einer neueren Abhandlung des Hrn. M. Kurtz 3 ) aufführen
wollen.
Das Rohmaterial bilden ausser dem Weinstein noch die Weinhefe
und die Rückstände von der Seignettesalzfabrikation und den Weinstein
raffinerien.
Zur Darstellung des weinsauren Calciums aus rohem Weinstein
werden von diesem 10 bis 15 Ctr. in einen grossen Bottich von circa
100 cbl Inhalt, der zu 4 / 5 mit Wasser gefüllt ist, eingetragen. Mittelst
Dampf wird das Wasser bis nahe zum Sieden erhitzt und durch ein
Rührwerk in Bewegung erhalten. Alsdann wird der Dampf abgesperrt
und durch Zusatz von gepulverter Kreide die Hälfte der Säure des,
Weinsteins gefällt. Der Arbeiter muss dabei durch geeignete Vcn-
tilationsvorrichtungen vor der in Strömen entweichenden Kohlensäure
geschützt sein. Es muss weniger als die theoretische Menge Kreide
(18 8 Kaliumhitartrat verlangt 5 Kreide) angewendet werden, da einmal
der rohe Weinstein selten mehr als 80 p. C. saures weinsaures Kalium
enthält und ferner hei vollständiger Neutralisation meist vorhandene
Magnesia, Thonerde, Eisenoxyd u. s. w. mit ausfallen würden. Bei
Weinsteinen, die sehr reich an diesen Körpern sind, empfiehlt es sich,
beim Beginn derOperation etwas Salzsäure (25 bis 50 Pfd.) zuzusetzen
un d ja nicht vollständig zu neutralisiren, da sonst später bei der Kry-
J ) Betzius u. Scheele, Abhandl. d. schwed. Akad. d. Wissensch. 1770,
a ) Klaproth, Matth, a. Parcker’s Dissert. de sale essentiali tartari,
otting. 1799. 8 ) Kurtz, Die Fabrikation der Weinsäure, Chem. Central!)],
r Hn Auszug in Wagn. Jahresber. 1871, 379. Vgl. ferner Deutsche
hidnstrieztg. 1872, 85.
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