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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
bei 27° B. entfärbt; sodann wird die Lösung filtrirt, mit etwas Schwefel 
säure versetzt, auf 35 bis 40 n B. eingedampft und wieder in die Kry- 
stallisationsgefässe gelassen. Die schön krystallisirte Säure wird aus 
geschleudert, getrocknet und gesiebt. Sie ist immer etwas blei- und 
schwefelsäurehaltig. Für pharmaceutische Zwecke löst man sie noch 
mals auf und lässt sie ohne Schwefelsäurezusatz in Thongefässen kry- 
stallisiren. Die Krystalle sind in Grösse und Form von denen der 
technischen Säure wesentlich verschieden. Was beim Absieben abfällt, 
wird auf Quetschmühlen gepulvert und kommt als präparirte Säure in 
den Handel. Es ist die unreinste Sorte. 
Die Verwendung der Weinhefe als Rohmaterial ist die wichtigste 
Neuerung, welche die letzten 10 Jahre in der Weinsäuredarstellung 
gebracht haben. Bis jetzt ist diese Fabrikation besonders in Oesterreich- 
Ungarn heimisch. Sie wird sich wohl bald weiter Bahn brechen, denn 
der Verbrauch von Weinsäure in der Pharmacie, der Färberei und be 
sonders in der Fabrikation von Kunstweinen nimmt immer zu, während 
die Production von Rohweinstein eine begrenzte ist und daher der 
Preis desselben immer mehr hinaufgeschraubt wird. Hr. Kurtz 1 ) 
führt an, dass in Württemberg bei einer jährlichen Weinproduction von 
300 000 Hl etwa 5 p. C. davon oder 15 000 Hl als Hefe keine oder 
— als Düngmittel von allerdings beträchtlichem Düngwerth — eine 
immerhin untergeordnete Verwerthung finden, während, nachdem 5 / 8 
als Presswein abgepresst worden sind, in dem Rückstand Weinstein 
bezüglich Weinsäure im Werthe von 17 000 bis 28 000 Thlr. enthal 
ten ist. 
Auch Hr. Nessler 2 ) redet der Bereitung von Weinstein aus 
Weinhefe das Wort und empfiehlt, nachdem der Hefebrei abdestillirt 
(abgebrannt) worden sei, den Rückstand mit heissem Wasser auszuzie 
hen und, um ein möglichst rasches Filtriren zu erreichen, die heisse 
Weinsteinlösung durch unten zugebundene Säcke zu giessen. 
Nicht allein in der Weinhefe, auch in den Weintrestern ist 
noch viel Weinsäure enthalten. DieH.Hrn. Juette und dePonteves 3 ) 
verarbeiten die Trester so, dass sie dieselben zunächst der Destillation 
unterwerfen. Hierbei bildet sich eine gewisse Menge Traubenzucker, 
welcher durch Gährung in Alkohol übergeführt wird. Nach dem Decan- 
tiren der zuckerhaltigen Flüssigkeit wird Kalkmilch zugesetzt und der 
entstandene weinsaure Kalk in bekannter Weise verarbeitet. A. a. O. 
wird mitgetheilt, dass die Trestermenge, die bei der Production von 
J ) Kurtz, Württemberg. Gewerbebl. 1872, 161; Deutsche Industrieztg. 
1872, 85; Wagn. Jahresber. 1872, 364. 2 ) Nessler, Pol. Notizbl. 1870, 
105; Wagu. Jahresber. 1870, 433. 3 ) Juette und de Ponteves, Annales 
de gffiiie civil 1867, 535; Dingl. pol. J. CLXXXVI, 245.
	        
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