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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
licher, die Mutterlaugen enthalten grosse Mengen der Umwandlungs- 
producte. Diese Mutterlaugen bilden ein lästiges Nebenproduct, beson 
ders in Folge der Gegenwart von Thonerdesalzen. Wenn man sie mit 
Kreide versetzt, so fällt keineswegs Calciumtartrat, sondern ein Calcium 
aluminium-Doppeltartrat, welches, mit frischem Calciumtartrat gemengt, 
wiederum Thonerde in den Gang der Fabrikation bringt, wodurch die 
Krystallisation der Mutterlaugen erschwert, ja verhindert wird. 
Eine sehr ausgedehnte Verwendung findet die Weinsäure, wie be 
kannt, als Aetzbeize in der Färberei und Druckerei. Beim Bedrucken 
türkischrother Gewebe gehen jährlich viele Centner von Weinsäure (und 
Oxalsäure) als Kalkniederschläge in der Aetzküpe verloren, indem sie 
mit derselben als unbrauchbar weggeworfen werden. Hr. A. Müller 
hat mit anerkennenswerthem Streben gesucht, diese Säuren wieder nutz 
bar zu machen. Nach seinem Verfahren !) können sie in nahezu ur 
sprünglicher Menge mit geringem Kostenaufwand wiedergewonnen 
werden. Ein roth oder blau gefärbtes Zeug, das an den zu bleichen 
den Stellen mit einem Gemenge von Weinsäure und Verdickuugsmitteln 
bedeckt worden ist, verliert an den bedruckten Stellen seine Farbe, 
wenn es in ein Bad von Chlorkalk getaucht wird. Der Niederschlag in 
der Aetzküpe, welcher die Kalksalze der Weinsäure etc. enthält, muss 
zunächst analysirt werden, was in der Weise ausgeführt wird, dass 
zu 10 g des ausgewaschenen Niederschlags, die in Wasser suspendirt 
sind, soviel Normalschwefelsäure gefügt wird, bis alles Calcium als Sulfat 
gefällt ist, was durch Chlorbarium leicht zu erkennen ist. Der Nieder 
schlag wird alsdann zu je 100 Kg in eiserne Gefässe gebracht, mit circa 
50 1 Wasser gemengt und unter Umrühren mit der berechneten Menge 
Schwefelsäure versetzt, wobei mit Dampf bis zum Sieden erhitzt wird. 
Die vom Gyps getrennte Flüssigkeit enthält 95 bis 98 p. C. der an 
gewendeten Säure. Wenn Schwefelsäure darin ist, wird diese durch 
Banumtartrat gefällt. Die Flüssigkeit kann nach dem Verdicken wie 
der direct zum Drucken benutzt werden, oder sie wird zur Krystalli 
sation eingedampft. Hatte man statt Chlorkalklösung Chlornatron 
(Em de Labarraque) benutzt, so ist die Weinsäure als Natriumsalz 
in Lösung und durch Zusatz von Chlorkalklösung wird einerseits Cal 
ciumtartrat gefallt, andererseits die ursprüngliche Bleichflüssigkeit 
wieder erzeugt. 
Ein vorzügliches Verfahren zur Weinsäuredarstellung würde in 
der Anwendung von Kieselfluorwasserstoffsäure 2 ) gegeben sein. Wenn 
man den Weinstein mit dieser Säure zersetzt, so erhält man neben der 
B Müller, Chem. Centralbl. 1871, 134 u 287; Dingl. pol J CC 227- 
Deutsche Industrieztg. 1871, 183; Wagn. Jahresber. 1871, 818. *) Verrf’ 
d. Ber. I., S. 315. s '
	        
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