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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

I

426  Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
weilen,  besonders  durch  Zusatz  von  Schwefelsäure,  verfälscht  und  sein
Volumgewicht  wird  durch  Zusatz  von  Kochsalz  oder  Seewasser  beim  Eindampfen ­
  erhöht.  Aus  dem  Citronensaft  wird  in  der  Regel  nach  dem
schon  von  dem  Entdecker  der  Citronensäure,  dem  grossen  Scheele 1 ),
angegebenen  Verfahren  durch  Zusatz  von  Kreide  und  Kalkmilch  schwerlösliches ­
  citronensaures  Calcium,  (C 6  H ä  0 7 ) 2  Ca 3  -f-  4  H 2  0,  gefällt,  und
dieses  durch  Schwefelsäure  zersetzt.  Die  wässerige  Lösung  der  Säure
wird  zur  Krystallisation  eingedampft,  und  die  Säure  mehrfach  umkrystallisirt.

Es  ist  leicht  einznsehen,  dass  es  einfacher  und  vortheilhafter  ist,
in  unseren  Fabriken  citronensaures  Calcium  zu  verarbeiten,  welches
an  Ort  und  Stelle  der  Gewinnung  aus  frischem  Citronensaft  bereitet
worden  ist.  Dies  geschieht  jetzt  auch  in  der  That  sehr  häufig.  Der
citronensanre  Kalk  des  Handels  enthält  gewöhnlich  zwischen  80  und
90  p.  C.  reines  Calcfumcitrat  und  erfordert  nach  Verhältniss  60  bis
70  Pfund  Schwefelsäure  von  60°  B.  auf  den  Centner  zur  Zersetzung.
Die  vom  Gyps  abfiltrirte  Lösung  der  Citronensäure  wird  je  nach  der
Krystallisation,  welche  man  zu  erzielen  wünscht,  auf  35  bis  37°  B.  eingedampft ­
  und  dann  erkalten  gelassen.  Die  Krystalle  müssen  bei  massiger ­
  Temperatur  getrocknet  werden,  da  sie  sonst  (sie  schmelzen  schon
bei  100°  in  ihrem  Krystallwasser)  leicht  verwittern.  Es  kommt  aber,
wie  Hr.  G.  Schnitzer 2 )  mittheilt,  oft  halbzersetzter  citroneosaurer
Kalk  im  Handel  vor,  besonders  unter  der  Waai’e,  welche  aus  Sicilien
bezogen  wird,  während  aus  Spanien  kommender  sich  lange  nnzersetzt
aufbewahren  lassen  soll.  Die  Schuld  jener  Zersetzung  dürfte  in  der
mangelhaften  Darstellungsweise  des  Kalksalzes  zu  suchen  sein.  Es  ist
dabei  von  Wichtigkeit,  dass  der  erwärmte  Saft  nur  bis  zur  schwach
sauren  Reaction  mit  Kalk  oder  Kreide  neutralisirt  werde,  weil  durch
einen  Ueberschuss  an  Kalk  auch  die  Gährung  erregenden  Bestandtheile
des  Saftes  mit  niedergeschlagen  werden.  Es  ist  hierbei  indess  zu  bemerken ­
  ,  dass  Citronensaft  durch  Kalk  überhaupt  nicht  vollständig  zu
neutralisiren  ist,  besonders  wenn  der  Saft  während  des  Kalkznsatzes
erhitzt  wird.  Die  Ursache  dieses  Verhaltens  ist  noch  nicht  aufgeklärt.
\ielleicht  ist  die  Gegenwart  von  Phosphorsäure,  oder  von  phosphorsaurem ­
  Eisen  oder  Aluminium  von  Einfluss 3 ).  Wenn  der  Niederschlag
von  citronensaurem  Calcium,  nach  Entfernung  der  darüber  stehenden
Flüssigkeit,  noch  einmal  mit  warmem  Wasser  (Calciumcitrat  ist  in
kaltem  Wasser  löslicher,  als  in  heissem.  Nach  Bestimmungen  des  Hrn.
Warington  löst  sich  1  Gew.-Thl.  in  1180  Gew.-Thln.  Wasser  von  14 u
und  in  1730  von  90°  bis  100°)  ausgewaschen  und  dann,  wenn  möglich,

p  Scheele,  Opuscula  II,  181.  2 )  Schnitzer,  Dingl.  pol.  J.  CLXXXV,
42;  Deutsche  Industrieztg.  1867,  457.  3 )  Vergl.  Warington,  Journ.  chem.
soc.  1875,  937.
            
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