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Gruppe III. Chemische Industrie.
serige Lösung der Krystalle macht und durch Zusatz von Kalilösung
einen Niederschlag von saurem weinsaurem Kalium hervorruft. Die
H.Hrn. Chapman und Smith *) empfehlen folgende Probe zur Unter
scheidung von Citronensäure und Weinsäure, die auch zur Entdeckung
dei letzteren neben der ersteren dienen kann. Fügt man ein citronen-
saures Salz zu einer stark alkalischen Lösung von Kaliumpermanganat
und erhitzt zum Sieden, so wird die Lösung allmälig grün und behält
diese Farbe bei weiterem Erhitzen. Wird aber statt des citronensau-
ren ein weinsaures Salz hinzugefügt, so scheidet sich sofort Mangan-
superoxyd ab; die Weinsäure reducirt Mangansäure in alkalischer Lö
sung mit Leichtigkeit, während Citronensäure dies nicht vermag.
Nach Hrn. Wimmel 2 ) ist dies jedoch nicht ganz zuverlässig, da die
Citronensäure auch die Mangansäure in alkalischer Lösung reducirt,
nur etwa 100 Mal schwächer, als die Weinsäure. Hr. Blacher 3 )
empfiehlt ein auf die Schwerlöslichkeit des weinsauren Magnesiums
gegründetes \ erfahren. Man erhitzt 2 g der zu prüfenden Säuren
mit 1 g Magnesiumcarbonat und 20 g Wasser zum Sieden. Entsteht
eine Abscheidung, so ist viel Weinsäure zugegen. Bleibt die Lösung
klar, so fügt man nach dem Erkalten 60 g 90procentigen Weingeist
hinzu und schüttelt. Erfolgt auch nun keine Trübung, so ist keine
Weinsäure zugegen, da weinsaures Magnesium in der alkoholischen
Lösung unlöslich ist.
Die grösste Menge Citronensäure wird in der Baumwolldruckerei,
theils um Farben zu erhöhen, theils als Aetzbeize, verbraucht. Ferner
findet sie in pharmaeeutischen Präparaten und wegen ihres angenehm
sauren Geschmacks als Limonade und Zusatz zu Speisen mannigfache
Anwendung.
Auf dem Gebiete der aromatischen Säuren sind entsprechend der
raschen Entwickelung, welche die Chemie der Benzolderivate über
haupt während des letzten Decenniums erfahren, einige ganz neue In
dustriezweige ins Leben gerufen worden. Ausser der Technik der
Benzoesänre ist namentlich die noch ganz junge, aber bereits sehr aus
gedehnte Industrie der Salicylsäure und der Phtalsäure zu verzeichnen.
Benzoesäure. — Anhang: Naphtoesäure.
Wie die Ameisensäure die einfachste einbasische Säure in der grossen
Gruppe der organischen Verbindungen ist, welche man als Fett- oder
steatische Körper zu bezeichnen pflegt, so ist ihr entsprechendes Glied
B Chapman u. Smith, Dingt, pol. J. CLXXXVI, 158. 2) Wimmel
Zeitschr. anal. Chem. VII, 264. 3) Blacher, Journ. Pharm. d’Anvers
XXIII, 443.