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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
in Phenol und Kohlensäure, die Ansicht auszusprechen, dieselbe möchte 
in derselben Beziehung zum Phenol stehen, wie die Aethylkohlensäure 
zum Aethylalkohol 1 ). 
Im Jahre 1860 wurde dann in der That von den H.IIrn. Kolbe 
und Lautemann 2 ) die Salicylsäure synthetisch durch Einleiten von 
Kohlensäure in Phenol, während gleichzeitig Natrium sich darin auf 
löst, dargestellt. 
Im Jahre 1874 nahm Hr. Kolbe 3 ) dies Verfahren wieder auf 
und kam dabei zu dem wichtigen Resultat, dass die Säure sich auch 
durch Einwirkung von Kohlensäure auf Phenolnatrium , welches durch 
Sättigen von Phenol mit Aetznatron entsteht, darstellen lasse. Der 
billige Preis des Aetznatrons gegenüber dem des Natriums ermöglichten 
ohne Weiteres eine fabrikmässige Darstellung der Säure. 
Dies Verfahren, welches Hrn. Kolbe in den meisten Ländern 
patentirt ist, besteht in folgenden Operationen, deren Beschreibung 
in Kolbe’s eignen Worten folgen möge. 
„Man löst in der käuflichen starken rohen Natronlauge von ermit 
teltem Natrongehalt so viel krystallisirtes, zuvor geschmolzenes Phenol 
auf, dass das Natron und Phenol sich gerade absättigen, dampft dann 
die Lösung in einem flachen eisernen Gefäss ein und erhitzt die resul- 
tirende, zuerst zähe teigige Masse bei gelindem Feuer unter beständi- 
gem Durchkrücken derselben, zuletzt unter Zerreiben mit einem schweren, 
Pistill bis zur staubigen Trockne. Dieses trockne Product ist Natrium 
phenol. Dasselbe hat stets eine röthlich gelbe Farbe, wohl Folge par 
tieller Veränderung während des Eindampfens durch den Sauerstoff der 
Luft, ist sehr hygroskopisch und muss, da ein feuchtes Natriumphenol 
schlechte Ausbeute an Salicylsäure giebt, noch heiss in verschliessbare 
Gefasse gebracht und darin bis zur Verwendung, vor feuchter Luft 
geschützt, aufbewahrt werden. Nimmt man beim Vermischen von 
Phenol und Natronlauge von dem einen oder anderen mehr als gleiche 
Molecule, so hat das Natriumphenol nicht nur ein verschiedenes An 
sehen (bei Anwendung von überschüssigem Phenol wird es dunkel 
braun), sondern liefert auch viel weniger Salicylsäure. 
Das so bereitete trockne Natriumphenol wird, wenn es sich um Dar 
stellung grösserer Mengen handelt, am besten in einer metallenen Re 
torte mittelst Oel-, Metall- oder Luftbad langsam erhitzt. Man beginnt 
mit dem Einleiten der trocknen Kohlensäure in nicht zu raschem Gas 
strom, wenn die Temperatur im Inneren des Retorteninhalts ungefähr 
100° erreicht hat. Man lässt die Temperatur langsam höher gehen, 
bis sie im Verlauf mehrerer Stunden gegen 180° erreicht hat. Erst 
*) Kolbe, Arm. Chem. Pharm. LXXXVI, 148. 
mann, Ann. Chem. Pharm. CXIII, 125; CXV 201 
Chem. X, 89; Din gl. pol. J. CCXIII, 165.’ 
2 ) Kolbe u. Laute- 
3 ) Kolbe, J. pr.
	        
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